Teil eines Werkes 
1.-4. Bändchen (1851)
Entstehung
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ihres Hinganges, geheime Thränen und ſtille Leiden zurückließen, aber keine Bahn brachen und keinen Halt gewannen; wenn er dieß ſah, ſo freute er ſich, gleich als wäre er einer Gefahr entronnen, daß er Niemand das Geheimniß der Bande, durch welche ſie verknüpft waren, anvertraut hatte. Er hatte alle in ſeiner Ge⸗ walt ſtehenden Mittel verſucht, aber mit allen fehlge⸗ ſchlagen. Eiſerſüchtig, unruhig und unglücklich konnte er ſeine Exiſtenz kaum ertragen und ſeine Ungeduld kaum beherrſchen. Er liebte ſie mit Leidenſchaft, und der Gedanke, ſie zu verlaſſen, machte ihn elend; aber da zu bleiben, Tag für Tag ſeine Gefühle zu verhehlen, die Geliebte nur aus der Ferne beobachten, es kaum wagen zu dürfen, ſich ihr zu nähern, ſeine Augen einige Minuten auf ſte zu heften oder einige Zeit an ihrer Seite zu verweilen, das war eine Qual, die er nicht zu ertragen vermochte. Daß ſein Vater, wenn ſie gegenſeitig ihre Kräfte maßen, obſiegen würde, war begreiflich, und ſo ärgerlich es war, ſo konnte er ſich doch über dieſes Reſultat kaum wundern; aber daß dieſes ſanſte Geſchöpf, dieſe leibhaftige Holdſeligkeit und Unterwerfung, dieſes Kind von ſiebzehn Jahren, deſſen Herz er ſo gänzlich beſaß, ſeine Pläne vereiteln und durchkreuzen ſollte, daß ſie über alle ſeine Anſtrengun⸗ gen, ihre Entſchloſſenheit zu überwinden und ihre Will⸗ fährigkeit zu erzwingen, triumphirte, das verſetzte ihn zuweilen in ſolche Wuth, daß er beinahe ſelbſt nicht wußte, ob es nicht vielmehr Haß als Liebe ſei, was er für ſie empfinde. Aber wenn er daran dachte, zu gehen, dieſes Haus zu verlaſſen, wo ſie lebte, dieſen Ort, wo er ſie wenigſtens ſehen, ihre Simme hören und den abwechſelnden Ausbrüchen des Zornes und der Zärtlichkeit Raum geben konnte, dann fühlte er an dem Schmerz der ſein Herz zerriß, daß er ſie zu innig, zu feurig liebte für den Frieden ſeines ſelbſtſüchtigen und ungeſtümen Geiſtes. Ihre Anhänglichkeit an ihren Vater, ihre Zärtlichkeit für ihre Schweſter, ihre Ver⸗ trautheit mit Walter, die Bewunderung, welche ſie ge⸗