Thornton traf, brachte ihn der Klang ihrer Stimme und etwas Eigenthümliches in ihrem Ausdrucke, was ihn ſtark an ſeine Frau erinnerte, beinahe außer Faſſung. Als Walter's Unſall ihn nöthigte, ſich auf Schloß Grant⸗ ley für einige Zeit feſtzuſetzen, ſchüttelte er dieſe Gefühle ab und bemühte ſich, auf's Allergenaueſte die Charaktere, die Empfindungen und Anſichten zu prüfen, welche vor⸗ ausſichilich auf Ginevra und ihre Handlungen Einfluß üben konnten. Beſonders Margaret beobachtete er mit unnachläßlicher Aufmerkſamkeit, aber dieſe Aufmerk⸗ ſamkeit war durchaus ſo ſelbſtfüchtig, ſeine Gedanken waren ſo gänzlich von ſeinen eigenen Sorgen und Ent⸗ würfen in Anſpruch genommen, daß es ihm nicht ein einziges Mal einfiel, daß er ſie an ſich feſſeln und ihren Seelenfrieden gefährden werde. Einmal war er im Begriff, ihr ſein gefährliches Geheimniß anzuver⸗ trauen, aber er freute ſich, daß ſie ihm durch ihr haſtiges Wegg hen eine gefährliche Unklugheit, wofür er es bei nachfolgender reiflicher Betrachzung hielt, erſpart hatte. Einmal war er auch geneigt, Walter Sydney um Rath zu fragen, aber auch er hatte der Mittheilung, welche er ihm machen wollte, Einhalt getyan, und die Ent⸗ fremdung zwiſchen ihnen, die bald nach ſeiner Ankunft in Grantley begonnen hatte, nahm ſo ſichtlich über⸗ hand, daß er bald jeden Gedanken aufgab, ihm die Wahrheit mitzutheilen. Und wenn er in den kurzen Augenblicken des Verkehrs mit Ginevra, welche er nach ihrer Ankunft zu erhaſchen vermochte, mit einer Art
von hilfloſer Verzweiflung fühlte, daß er, ſo ergeben, †
ſo zärtlich, ſo demüthig und geduldig, ſo bereit ſie war, Alles von ihm und fuͤr ihn zu ertragen, dennoch in dem Punkt, um welchen ſeine Hoffnungen und Ent⸗ würfe ſich drehten, all ſeine Kraft vergebens aufbot, daß ſeine verzweifelten Anſtrengungen, ſeine kalte Ent⸗ ſchloſſenheit, ſein wilder Groll, ſeine ſpitzfindigen Vor⸗ ſtellungen und ſeine leidenſchaftlichen Bitten über ihre Standhaftigkeit hinwegfuhren, wie der Schaum des Meeres uͤber den Felſen, und zwar allerdings Spuren


