Teil eines Werkes 
1.-4. Bändchen (1851)
Entstehung
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Glück und die Wohlfahrt der Einwohner zu fördern, als er die verſchiedenen Details von den Schulen hörte, deren Aufſicht ſie führke, von der neuen Kirche, die ſie an einem Orte au bauten, und den Hütten, die ſie an einem andern errichteten oder ausbeſſerten, als er das verſtändige, lebhafte Geſicht ſeiner Schweſter, ſo lange ſie ſprach, betrachtete, da fühlte er ein neues Intereſſe für dieſen Platz und eine neue Sympathie für ſie. Anna Neville gehörte zu denjenigen Perſonen, die ohne glänzende Eigenſchaften oder auß rordentliche Reize in allen Details des Lebens eine ruhige Heiterkeit, eine gelaſſene Verſtändigkeit und dabei einen Grad beſtimm⸗ ter und ſanfter Harinäckigkeit beurkunden, welcher das

Seinige wirkt und ſein Ziel erreicht, wo höhere oder

blendendere Eigenſchaften und Talente wirkungslos ge⸗ bli ben wären. Sie hatte mehr Güte als Gefühl, und mehr Ausdauer als Eifer. Sie beobachtete auf's Ge⸗ naueſte die Pflichten ihrer Religion und hatte wenig Nachſicht oder Sympathie für diejenigen, die mehr oder weniger als ſie ſelbſt glaubten oder tha en. Ohne alle Eitelkeit(denn Lob und Tadel ſchien ihr ganz gleich⸗ gültig) begte ſie die allerhöchſte Achtung vor ihrem eigenen Verſtand und Alles, was ſie nicht ſolbſt er⸗ kannte, fuhlte oder begriff, wurde unbedenklich als Enthuſiasmus, Täuſchung oder Verkehrtheit verworfen. Sie ſchien nie daran zu denken, daß es in menſchlichen Herzen Tiefen geben könne, welche ſie niemals ergrün⸗ det, im menſchlichen Geiſte Nöthen, die ſie niemals erfahren, zwiſchen dem Glauben und Handeln Bezie⸗ hungen und Verhältniſſe, die ſie niemals erforſcht halte, oder überhaupt, daß es viel Dinge im Himmel und auf Erden gebe, wovon ihre Schulweisheit ſich nichts hatte träumen laſſen. Zu ſanft von Charalter, um jemals in ihren Ausdrucken heftig, zu redlich, um in ihren Urtheilen lieblos zu ſein, entfernte ſie Alles, was nicht genau mit ihren eigenen vorgefaßten Meinungen über⸗ einſtimmte, ruhig aus ihrem Wege und dem Bereiche ihrer Betrachtungen. Ein geiſtreicher amerikaniſcher