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feſtklammert, die es führt, aber der es nicht vollkom⸗ men zu vertrauen wagt; das wußte Niemand als ſie ſelbſt. Aber auch in dieſer ſtürmiſchen Stunde war ein Licht auf ihrem Pfade, und ſo ſchmal der Weg war, den ſie wandelte, ſo fiel doch ein Strahl darauf, und jeder Schritt, den ſie that, war feſt, obſchon der nächſte in Dunkelheit begraben lag.
Während der folgenden Tage war Edmund abwech⸗ ſelnd düſter und verzagt, oder fröhlich und ſanguiniſch, je nachdem ſeine Einbildungskraft ihm die Zukunft in einer dunkeln oder glänzenden Geſtalt zeigte. Er war raſend über die Gegenwart und quälte ſein Hirn ab, um irgend einen Plan zu erfinnen, wie er Ginevra in ſichrer Obhut zurücklaſſen und ſelbſt nach Irland eilen könnte, um den Weg zur Anerkennung ſeiner Ehe zu bahnen. Eines Morgens, nachdem er eine Nacht in ruheloſer Aufregung verbracht hatte, erhielt ſeine Gattin Briefe von ihrem Vater und von dem engliſchen Conſul in Genua, welcher ihr meldete, daß Oberſt Les⸗ lie nach England zurückgekehrt ſei und auf die Kunde von Leonardo Ferrari's Tod ihn ſchriftlich erſucht habe, dafür zu ſorgen, daß ſeine Tochter nach Genua reiſe
und ſich daſelbſt an Mr. und Mrs. Warren, alte Freunde
von ihm, anſchließe, welche im Begriff ſtänden, nach
England zurückzukehren und ſich bereit erklärt hätten,
ſie mitzunehmen. Dem Packet war ein Briefchen von Mrs. Warren ſelbſt beigelegt, welche ſehr höflich und freundlich ſchrieb, wie ſehr ſie ſich freue, die Be⸗ kanntſchaft von Miß Leslie zu machen; zugleich er⸗ bot fie ſich, ſelbſt nach Verona zu kommen und ſie da abzuholen, wenn ihr das angenehmer ſein ſollte. So beunruhigend und verwickelt der Stand der Dinge wurde, ſo konnte ſich doch Edmund eines Lächelns nicht enthalten über das ſeltſame Zuſammentreffen, das auf ſolche Art ſeine Gattin unter den Schutz ſeiner eigenen
Verwandten zu ſtellen ſchien, und ſo gewagt der Schritt
war, ſo groß die damit verbundenen Gefahren erſchie⸗ nen, ſo kam er doch bald auf den Schluß, daß man der


