Einladung augenblickliche Folge leiſten, den Schwierige keiten gleich bei ihrem Entſtehen entgegentreten und,
wenn ſie ſich noch vergrößerten, Trotz bieten müſſe. Dieſe Wendung in ihren Angelegenheiten ſetzte ihn in den Stand, allein nach Irland zu reiſen, und Ginevra mußte, wenn ſie einmal in ihres Vaters Haus wohnte, wenn ſie offen als ſeine Tochter anerkannt und noth⸗ wendig von Allen, die ſich ihr näherten, angebetet war, in den Augen ſeiner Familie in einem ganz andern Lichte daſtehen, als das italieniſche Mädchen, die Nichte eines italieniſchen Prieſters, deren Abſtammung und Glaube ihren geliebteſten Vorurtheilen ein Gräuel war. Der Anblick der Handſchrift ihres Vaters machte auf Ginevra einen ſeltſamen Eindruck, und zum erſtenmal ergriff ein Gefühl von Reue und Schuld Beſitz von ihrer Seele. Statt ſich, wie der arme Leonardo ſie verſichert hatte, in irgend einem entfernten Theile In⸗ diens zu befinden, kehrte er in demſelben Augenblick, wo ſie ohne ſeine Einwilligung ſich verheirathet hatte, in ſein Vaterland zurück, und ſie mußte mit einem Geheimniſſe im Herzen vor ihn treten und in ſeinem Haus und an ſeiner Seite ſeinen eigenen Namen führen,
Hwelchen anzunehmen ſie nicht das Recht, welchen abzu⸗
legen ſte nicht die Befugniß hatte. Beinahe noch ein Kind an Jahren, noch ganz ein Kind an ſchuldloſer Einfachheit, ſollte ſie ein Leben beginnen mit dem Herzen eines Weibes und der härteſten Prüfung eines Weibes— vermählt, ſollte ſie die Qual der Erwar⸗ tung und die Laſt langer Geheimhaltung ertragen— unſchuldig, ſollte ſte die zitternde Angſt, die peinliche Beſorgniß des Verbrechens über ſich nehmen— ſie erlag beinahe unter der Aufgabe und es fehlle nicht viel, ſo verließ ſie der Muth. Aber ſelbſt die Reue— wenn qualvolles Bedauern, die neuerwachte Pein der Erinnerung Reue genannt werden könnte, da wo kaum ein Irrthum ſtattgeſunden hat— war nicht ſelbſtfüch⸗ tig in dieſem reinen Herzen und ſanften Geiſte. Ihre Schloß Grantley. 1. 16


