für ihn geſtiegen, ſie hatte den Berg erklommen, wohin er nicht zu folgen vermochte, ſte ſchwang ſich durch die Wolken, die er nicht durchdringen konnte. Der Ton dieſer Worte:„Elend und Jammer,“ hatte ihn wieder zur Erde herabgezogen und er rief mit Bitterkeit:
„Verkündige, wenn Du willſt, der ganzen Welt, daß wir verbeirathet ſind. Verweigere mir die kurze Friſt des Auf chubs und des Schweigens, um welche ich bitte, und wir ſind Beide zu Grunde gerichtet; oder aber, laß Dir's für eine Weile gefallen, Dich einer peinlichen Nothwendigkeit zu unterwerfen. Ertrage mir zu lieb einige wenige Monate der Prüfung und der Er⸗ wartung und dann— zu Deinen Füßen, in meinen Armen, meine Ginevra—“ fuhr er fort, indem er vor ihr niederkniete und ſie zärtlich an ſeine Bruſt zog, „dann werden Jahre der Wonne folgen und in ihrem Sonnenſchein wirſt Du die Wolken, welche die erſte Dämmerung unſeres Glückes verdunkelt haben, vergeſſen und verzeihen. Du wirſt mir verzeihen, Theuerſte, daß ich Dich an mich gefeſſelt, daß ich nach dem unſchätz⸗ baren Schatz Deiner Liebe gegriffen und Dich gelehrt habe zu dulden durch mich— für mich,“ fügte er hinzu, als ihre Lippen ſich auf die ſeinigen preßten, und ſie murmelte:
„Mußt Du mich verlaſſen, Edmund?“
„Jetzt nicht, noch nicht.“
Sie wurde ſehr blaß und ſagte nichts mehr. Die⸗ ſen Abend betrachtete ſie ihren Ehering, dann nahm ſte ihn vom Finger, zog ein ſchwarzes Sammtband hindurch und verbarg ihn an ihrem Buſen.
„Wenn nicht hier, ſo doch da,“ ſagte ſte, und auf dieſe einfache Weiſe willigte ſie in die Prüfung, welche ſie beſtehen ſollte.
Wie viele Thränen ſie in der Stille vergoß— welche Bangigkeiten die Angſt dieſes Tages zurückließ, welche Befürchtungen ſie in der darauf folgenden Nacht quälten— Befürchtungen, ähnlich denen eines Kindes, das in der Finſterniß geht, ſich angſtvoll an die Hand


