ſie wiederholte, als wollte ſie ſich ſelbſt von der That⸗ ſache überzeugen, als hoffte ſte trotz ihrer Hoffnungs⸗ loſtgkeit:
„Er wußte es nicht; er war ſelbſt getäuſcht.“
Die Röthe der Schaam brannte auf Edmund's Wan⸗ gen; er zog ſie an ſich und flüſterte:*
„Ginevra, liebſt Du mich?“
Sie preßte ſeine Hand an ihre Lippen, mehr mit unerſchütterlicher Hingebung, als mit leidenſchaftlicher Neigung. Vielleicht fühlte er es, denn mit gewalt⸗ ſamer Aufregung rief er:„Ginevra, Du verachteſt mich.“ Es war keine Geringſchätzung in ihren Augen, es war kein Groll in ihrem Herzen, es war kein Ge⸗ danke an ſich ſelbſt, an ihren eigenen bittern Kummer, an ihr gefährdetes Glück, an ihre betrogenen Hoffnun⸗ gen, an ihr Vertrauen, welches getäuſcht worden an dem Altar, wo ſie ihr Leben, ihr Schickſal in ſeine Obhut gegeben, und alles, nur nicht ihren Glauben auf Erden und ihre Hoffnungen auf den Himmel zu ſeinen Füßen geworfen hatte, um nach Belieben zer⸗ treten oder mit Liebe gehegt zu werden. Aber in ihrem Geſicht und in ihrer Seele, in ihren zitternden Lippen und ihren gefalteten Händen war ein Ausdruck unbe⸗ ſchreiblicher Bewegung, als ſie ihren Gatten anblickte, der, von Aufregung überwältigt, wiederum ſein Geſicht in ſeinen Händen verborgen hatte, und ſich vergebens bemühte, die Worte an ſie zu richten, die ſich auf ſeine Lippen drängten.
Endlich bemeiſterte er ſich mit einer ſtarken An⸗ ſtrengung und ſchilderte in raſcher, unzuſammenhängen⸗ der Sprache die Unmöglichkeit, ſeine CEhe ſogleich einzu⸗ geſtehen und dem Zorn ſeines Vaters Trotz zu bieten. Er ſagte ihr, daß er ſowohl um ihret⸗ als um ſeinet⸗ willen klug und vorſichtig verfahren müſſe, und während er ſprach, ſuchte er ſich ſelbſt ſowohl als ſie zu täuſchen, was ihm auch theilweiſe gelang. Jedes Wort, das er vor der Heirath zu ihr geſagt, jede ausweichende Antwort, wo⸗ mit er ihre ſchüchternen, aber oft wiederholten Fragen


