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Generation zu Generation von menſchlichen Lippen ausgeſprochen worden ſind und menſchliche Herzen durchbebt haben, Redensarten, welche ausgeſprochen, geglaubt werden und ihre unglückliche oder harmloſe Wirkung hervorbringen werden, bis zur Zeit, wo die Zeit aufhören wird zu ſein.
„Da iſt Ginetta,“ ſagte Ginevra, als die kleine mailändiſche Zofe herannahte, über ihrem Kopfe etwas haltend.
„Ein Brief von der Poſt, Signora,“ rief ſie und warf ihn ihrer Gebieterin in den Schooß,
Das Schreiben war von engliſcher Hand an Ed⸗ mund gerichtet; er ergriff es mit Ungeduld und riß es auf. Eine dunkle Wolke fuhr über ſein Geſicht, als er es las. Seine Wangen rötheten, ſeine Augenbrauen runzelten ſich, ſeine Lippen zogen ſich zuſammen, und ſeine ganze Haltung verrieth Aufregung. Er erhob ſich von der Bank, auf welche ſie ſich geſetzt hatten, und ging mit haſtigen Schritten in der Allee auf und ab. Wenn eine unbeſtimmte Unglücksahnung die Seele heimgeſucht hat und plötzlich zur Wahrheit wird, ſo begegnet ſte ihr mit einer verzweifelten Ruhe, welche ſie ſelbſt in Erſtaunen ſetzt. Ginevra hatte ſich ſelbſt niemals klar gemacht, was ſie fürchtete; jetzt ſchien ſie es auf einmal zu verſtehen, und wie Wetterleuchten ſchoß ihr der Gedanke durch das Hirn:„Er iſt zu Grunde gerichtet und durch mich.“ Ihre Hoffnungen, ihre Befürchtungen, ihr Schickſal, ihr Friede waren nichts, weniger als nichts, nur ein Stäubchen in der Wage— im Vergleich mit dieſem einzigen Gedanken. Sie ging zu ihm und ſagte in ſanftem Tone:„Ed⸗ mund, ich muß dieſen Brief ſehen, es dürfen zwiſchen uns keine Geheimniſſe ſtattfinden.“ Er rollte das Papier in ſeinen Händen, während ſeine Augen Feuer ſchoſſen und ſeine dünnen Lippen feſt zuſammengepreßt waren. Es war ein Gemiſch kindiſchen Zornes und grimmiger, feſter Entſchloſſenheit in ſeinem Geſichte und in dem Ton, womit er, ohne auf ſie zu hören, antwortete:


