Teil eines Werkes 
1.-4. Bändchen (1851)
Entstehung
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„Sie ſollen nachgeben, beim Himmel, ſie ſollen nachgeben.“

Sie wurde ſehr blaß und lehnte ſich, einer Stütze bedürftig, an einen Baum.

„Edmund, haſt Du mich getäuſcht?“ murmelte ſie ſchwach, aber ſie wiederholte die Worte nicht, als er ſich mit einem Blick voll Liebe und Jammer, der ihr tief durch's Herz drang, zu ihr wandte und ſeine Arme nach ihr ausſtreckte. Sie ſank auf den Sitz an ſeiner Seite und nahm den Brief aus ſeiner Hand. Sie las ihn, und tauſend neue und ſchreckliche Gedanken ſchienen in dieſem Augenblick in ihrem Gemüth ſich zu erheben. Sie verſtand die Vergangenheit, ſte ſah die Zukunft vorher— eine ſchreckliche Revolution ging in ihr vor. In ſeiner blinden uud ſelbſtſüchtigen Leidenſchaft hatte dieſer Mann, der neben ihr ſaß, der ihre Hand hielt, der ſie beobachtete, während ſie las, dieſer Mann hatte ſte zum Werkzeuge ſeines eigenen Verderbens gemacht; er hatte ſie in ihrer argloſen Hülfloſigkeit zwiſchen ſich ſelbſt und die Pflicht und die Ehre und das Glück geſtellt, und hier— hier mußte fie bleiben wie des Engels Schwert auf dem Pfade des abgefallenen Pro⸗ pheten, wo die Hand Gottes ihr den Platz angewieſen hatte— und von dieſem Pfade der Pflicht und des Unglücks durfte ſie nicht abweichen. Sie ſah, ſie fühlte es; ihr Herz erkrankte in ihr, ihr Hirn erlag beinahe;

die Vernunft würde ſie verlaſſen haben, ſelbſt die Liebe

hätte ſich in der Stunde ihrer Noth ungenügend er⸗ wieſen, aber die Religion war da, und der Strom

wurde gedämmt, und der Weg war wieder hell, und

der Sieg wurde gewonnen. Das Vergangene war unwiderruflich; der Zukunft mußten ſowohl er als ſte entgegen gehen, im Geiſte der Sühnung, wo Sünde

oder Irrthum wirklich ſtattgefunden hatten; im Geiſte

der Ergebung, wo die Sünde oder der Irrthum unfrei⸗ willig geweſen waren. Kein Vorwurf kam über ihre

Lipven; dagegen lag ein Vorwurf, und er fühlte es, in der zunehmenden Bläſſe ihrer Wangen und in den

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