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gleichgültiger gegen die Gegenſtände, die er mit ſolchem Feuereifer erſtrebt hatte. Er konnte trauervoll in ſeiner Werkſtatt umherblicken und mit ſchmerzlichem Ernſt das Gemälde betrachten, das er vor 20 Jahren in Rom gemalt hatte, und welches die erſte Veranlaſſung zu Leslie's Verbindung mit ſeiner Schweſter geworden war. Er hatte ſich nie davon getrennt, und jetzt, da der Abend ſeines Lebens hereinbrach, ſchien es ihm theurer als je. Die Erinnerungen an die Vergangen⸗ heit traten an die Stelle der begierigen Zukunftsgedan⸗ ken, und ſie ſchienen ſich in Ginevra, als dem einzigen Glied der Kette, das ſie noch mit der Gegenwart verband, zu concentriren. Aber der Körper ſank zuſammen und der Geiſt war abgenützt, getrübt und verſtoͤrt; er konnte nicht mehr mit Ruhe auf irgend einem Gegenſtande des Intereſſes verweilen, und je inniger ſeine Neigung wurde, um ſo herber und ſelbſtquäleriſcher wurden ſeine Gedanken. Sie war ſeiner Obhut ubergeben worden— ſie ſtand allein in der Welt— ihr Vater war in Indien, Vater Francesco in Südamerika. Sie hatten das Mädchen ihm zurückgelaſſen; ſie hatten ihn, noch jung an Jahren, ſtark von Charakter geglaubt; und Jugend, Kraft und Leben ſchwanden dahin. Ihm war, als könnte er in Frieden ſterben, wenn ihr Schick⸗ ſal entſchleden und ihr Glück geſichert wäre. Sein ruheloſes Auge ſchweifte vom Gemälde ihrer Mutter auf ſie ſelbſt, und eine beinahe grimmige Ungeduld überkam ihn, wenn ſie fröhlich ihn anlächelte und in dieſer ſtillen Wohnung wie ein Strahl von Sonnen⸗ ſchein in dem Trauerbauſe ſich bewegte.
Ungefähr zehn Monate nach Vater Francesco's Abreiſe kam ein junger Engländer nach Verona und beſuchte das Atelier von Leonardo Ferrari. Daſſelbe Gemälde, das ſo viele Jahre vorher Oberſt Leslie's Aufmerkſamkeit gefeſſelt hatte, nahm ſeine Phantaſie gefangen. Während er in ſeiner Nähe verweilte, blickte er in den Garten unten und ſah Ginevra, wie fie
Schloß Grantley. I. 15


