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ſie ſchon früh im Engliſchen unterrichtet und mit den beſten Werken der alten ſowohl als der neuen Zeit ver⸗ ſehen worden, wodurch ſie ſich eine vertraute Bekanntſchaft mit der engliſchen Literatur verſchafft hatte. Sie hatte Milton ebenſo eifrig ſtudirt wie Dante, und liebte Shakeſpeare mehr als Arioſto. Die foſtbaren Schätze engliſcher Philoſophie, engliſcher Beredtſamkeit und Poeſie wurden einem Geiſte mitgetheilt, welchen der blaue Himmel Italiens und der tiefe Sinn für alles Schöne in Natur und Kunſt zu frühzeitiger Reife hatte gedeihen laſſen. Sie lernte von Pater Francesco, ob ſte nun in der Capelle auf ihren Knieen lag oder an ſeiner Seite bei ihren Büchern ſaß, jede Gemüthsbe⸗ wegung mit einer Pflicht, jede Beſchäftigung mit einem Gebet in Verbindung zu bringen, und in den Hütten dder Armen oder an den Betten der Sterbenden nahmen ddieſe Lehren eine Wirklichkeit an, die kein ſpäterer Eindruck zu verwiſchen vermochte. Kein Geflüſter von der äußern Welt hatte den ebenen Gang ihres Lebens geſtört; die blaſſe Waſſerlilie, die auf dem ſtillen Teich der verlaſſenen Gärten ſchwamm, in welchen ſte ſo gerne umherſchweifte, ſchien ein Sinnbild von ihr ſelbſt, von ihrer unbefleckten Reinheit, von ihrem ruhigen Leben und ihrer unbeachteten Schönheit zu ſein. Aber die Zeit nahte, wo die Stürme des Lebens über dieſe ruhige Oberfläche hinrauſchen und den Urſprung des Leidens, das in den Tiefen jedes menſchlichen Schick⸗ ſals verborgen liegt, in ſeiner Quelle aufſtören ſollten. nerſt kam der Tag, wo eine heilige Pflicht, eine ge⸗ bieteriſ⸗
che Einladung zu einem fernen Wirkungskreis Pater Francesco von ſeiner Heimath abberief, nicht wie es früher oft der Fall geweſen war, auf wenige Monate, ſondern auf eine unbeſtimmte, ungewiſſe Zeit. Die erſten Thränen, welche Ginevra's blaue Augen ſeit den Tagen ihrer Kindheit gefüllt, floſſen in ſprach⸗ loſem Kummer, als ſie den Segen des Scheidenden empfing, und zum letzten Mal an ſeiner Seite kniete


