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Thräne, die in ſeinem Auge glänzte, verſetzte ihren Hoffnungen einen Todesſtoß. Er fühlte jetzt für ſie, ſah aber kein Mittel der Rettung. Sie preßte ſeine Hand, ging auf ihr Zimmer und blieb eine Stunde allein, ihrem Schickſal in's Geſicht ſchauend und gegen die Verzweiflung ringend. Es war wahr, wie ſie es ſelbſt geſagt batte, daß Ginevra Leslie noch ſehr jung war für die Laſt des Kummers, für die ſchwere Bürde, die auf ihrem Geiſte lag, und ſie bemaß jetzt die Kräfte eines Charakters, welchen die Natur feurig geſchaffen und welchen Erziehung und Umſtände Selbſtbeherrſchung gelehrt hatten. Voll von dem unllöſchbaren Feuer, wel⸗ ches der Genius entzündet und die Leidenſchaft nährt, hatte ſte das Leben, ſeine Geheimniſſe und ſeine Wirk⸗ lichkeiten, wie im Sturme genommen, und mit dreizehn Jahren hatte ſie aufgehört, wie ein Kind zu denken, zu ſprechen oder zu fühlen. Die ſtarken, religiöſen Grundſätze, die mit ihr aufwuchſen und ihr ganzes Weſen bezeichneten, rangen mit dieſer Natur und beug⸗ ten ihr Ungeſtüm. Ihre Einbildungskraft, ihre Talente, ihr Enthuſtasmus waren zu einem Ziel gelenkt worden durch den Einfluß einer Religion, welche, während ſie in ihrer Disciplin aſcetiſch und in ihrer Moralität entſchieden iſt, jedes menſchliche Weſen nach ſeinen ge⸗ heimen Bedürfniſſen behandelt und läutert, während es jede Strebung ſeiner Seele erhöht. Sie hatte in den prächtigen Tempeln ihres eigenen Landes die Reich⸗ thümer der Erde, die koſtbaren Marmorſtücke und die funkelnden Edelſteine, das Gold der Minen und die Perlen des Oceans in verſchwenderiſcher Menge auf die Heiligthümer des Allmächtigen gelegt geſehen, und ſte hatte zu gleicher Zeit gelernt, daß die Koſtba keiten des menſchlichen Herzens und Gehirns, ſeine Perlen von hohem Werth, ſeine Schätze von tiefen Gedanken, ſeine Juwelen von unnennbarer Geltung auf den Altar Gottes niedergelegt werden müſſen, nicht um wie die Brandopfer der alten Zeit vernichtet, ſondern um durch


