Teil eines Werkes 
1.-4. Bändchen (1851)
Entstehung
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ihres Mundes mehr Liebe, als jemals Rafael oder Domenichino gemalt haben; und was kann ich thun? Ach, ich wünſche zuweilen, ich hätte ſie nie geſehen oder ſie wäre nicht ſo ſchön. Das macht mich meine Gemälde haſſen!

Und Ihre Pinſel zerbrechen, bemerkte Leslie, indem er die Stücke ſammelte;aber ich bedaure es, Leonardo, daß dieſe Ihre Zeichnung ein Portrait iſt. Ich habe mich mit dieſem Brauch, lebende Perſonen in ideale Scenen einzuführen, niemals befreunden kön⸗ nen, zumal wenn der Gegenſtand ein religiöſer iſt.

Aber was, rief Leonardo,was iſt ſo religiös als Ginevra's Geſicht? Sie haben ſie nie in ihren Gebeten geſehen.

Ueberhaupt noch nie, erwiederte Leslie mit einem Lächeln.Ich wünſchte aber, ich hätte ſie geſehen.

Ich bin zuweilen in die St. Johanneskirche ge⸗ gangen, wenn die Strahlen der untergehenden Sonne eine reiche Lichtfluth durch die gemallen Fenſter des Chors ergoſſen, zur Stunde, wenn ſie am Altar kniet, um ihr Abendgebet zu ſprechen. O, Leslie, ich habe ſie angeſchaut, bis ich erſchrack über den Lichtkreis, der um ihre Stirne ſpielte, und mir einbildete, ſie möchte in einer plötzlichen Extaſe von der Erde in den Himmel erhoben worden ſein. Ach, wie wenig hätte ich mich darüber gefreut! Es beruhigte mich wieder, als ich den goldenen Schein um den garſtigen Kopf der Mutter Agnes ſah. Ich wußte, ſie würde nicht geradenwegs in den Himmel wandern, was bei Ginevra etwa ge⸗ ſchehen könnte.

Wo lebt Ihre Schweſter? fragte Leslie.

Zu Hauſe in Verona, antwortete der junge Künſtler.

Im Klange des Wortes Verona liegt Etwas, das für einen Engländer zu gleicher Zeit ſo vertraut iſt, wie der Name eines Haushaltungsgegenſtandes und ſo romantiſch wie der Traum eines Dichters. Es ſpricht