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Villa Doria wanderten ſie zuſammen umher. Manche einſame Kirche, manche verlaſſene Villa, manchen ſchweig⸗ ſamen Hain beſuchten ſte in der Stunde des Zwielichts, und den Tag über war Leslie oft in der Werkſtätte, wo Leonardo mit jener religiöſen Hingebung an ſeiner Kunſt arbeitete, die mehr einer vergangenen als der gegenwärtigen Aera angehörte und an die Tage erin⸗ nerte, wo ein Künſtler ſelten einen Pinſel ergriff, um auf ſeine Leinwand das Bild unſers Herrn, ſeiner ge⸗ benedeiten Mutter oder der Heiligen zu verzeichnen, ohne zuvor niederzuknieen und ſeine Seele im Gebet zu ergießen. Leslie lernte Italieniſch, und zum erſten Mal las er die erhabenen Werke in dieſer Sprache, als er auf dem abgebrochenen marmornen Sarkophage ſaß, welcher den Gartenſitz von Leonardo's Werkſtätte bil⸗ dete. Einige wenige Blumen wuchſen in dieſem Hof, eine kleine Quelle ſpielte in der Mitte und zwei ge⸗ fangene Vögel ſangen ihre wilden Melodien über ſei⸗ nem Haupte. Die italieniſche Sonne ergoß ihr kräfti⸗ ges Licht auf die Wände des Ateliers, und Leslie's Augen wanderten oft von ſeinem Buch zu der Lein⸗ wand, auf welche der Känſtler eine ſeiner geiſtigen An⸗ ſchauungen übertrug. Der Gegenſtand, den er gewählt hatte, war die Auferweckung der Tochter des Jairus, und in dieſes Gemälde hatte der Maler ſeine ganze Seele geworfen: es war bloß Eine Figur darin, die der Jungfrau, welche ſich von dem Todtenbette erhebt. Der Ausdruck ihres Geſichtes, ihre Haltung erzählte die Geſchichte(wenn man ſo ſagen darf) beſſer, als wenn die Figuren unſres Herrn, ſeiner Apoſtel, der El⸗ tern des Mädchens und der Spötter, welche in dieſen feierlichen Momenten zu Gläubigen wurden, gleichfalls abgebildet worden wären, und die Phantaſte porträtirte ſie vielleicht lebhafter, als wenn die Hand des Kuͤnſt⸗ lers ſie gezeichnet hätte. Das Geſicht des kleinen Mäd⸗ chens war ſo heilig— es lag zugleich eine ſolche fromme Scheu und eine ſolche Heiterkeit in dem Aus⸗


