Teil eines Werkes 
1.-4. Bändchen (1851)
Entstehung
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ins Leben hervor oder wurde ſich vielmehr ihrer eige⸗ nen Kraft bewußt, und in Leonardo Ferrai fand er einen Genoſſen, deſſen Charakter und Neigungen in die⸗ ſem Augenblick genau ſeinen eigenen entſprachen. Er war ein Enthuſtaſt und ein Künſtler. Zu gleicher Zeit nachläſſig und eifrig, von Charakter treuherzig und in ſeiner Sprache leidenſchaftlich, war er ein ächter Ita⸗ liener. In ſeiner Romantik war Natur, in ſeiner Lei⸗ denſchaft Leben, in ſeinen Augen brannte ein Feuer, und in ſeinem Benehmen lag ein gewiſſes Schmachten, welches dieſe Nation kennzeichnet und ein Typus die⸗ ſes Landes zu ſein ſcheint, das einer ſeiner Dichter ſo wehmüthig anredet: 4

Deh, tu fossi men bella, o almen piuù forte, Ond' assai più ti parentasse o assai T'amassi men.*)

Zwei Monate hindurch verbrachten Leslie und Leo⸗ nardo ſolche Tage zuſammen, wie ſie nur in Rom ver⸗ lebt werden können. Unter den Trümmern entſchwun⸗ dener Herrlichkeit, welche als natürliche Zierrathen unter den ſchönſten und phantaſtiſchſten Landſchaften zerſtreut liegen, welche die Natur je geſchaffen; unter den Ueber⸗ bleibſeln einer erſtaunlichen menſchlichen Macht; in⸗ mitten der Denkzeichen eines göttlichen und ewigen Glaubens; in den Katakomben, dieſen Paläſten der glorreichen Todten; in der gleichenloſen Arena, wo das Blut der Märtyrer die garſtigen Flecke heidni⸗ ſchen Götzendienſtes abgewaſchen hat und das Bild des ſterbenden Gladiators verſchwindet vor dem des Heili⸗ gen, der ſeinen Leib den Löwen hingab und die Seele

ſeinem Gott empfahl; in den Chorgängen des St. Pe⸗

ter, in den Gallerien des Vatikans, in den Gärten der

*) O wärſt Du weniger ſchön, oder wenigſtens ſtär⸗ ker, daß man Dich mehr fürchtete, oder ich Dic weniger liebte.