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So mag es auch gekommen ſein, daß des Italieners ſchwermüthige und leidenſchaftliche Liebe zu ſeiner Kunſt und ſeine einfachen wenigen Worte über das Mißver⸗ hältniß zwiſchen den Gebilden ſeiner Phantaſie und den Werken ſeiner Hände den Empfindungen eines Mannes entſprach, der wie Leslie unter einem kalten und ruhigen Benehmen ein feines Gefühl und eine lebendige Einbildungskraft verbarg. Dichter zu ſein in den wirklichen Tiefen ſeiner Seele und keine Worte zu finden, um den Gedanken, die in ſeinem Innern ringen, Leben und Form zu geben; die Macht des Genius und die Stärke der Inſpiration zu fuhlen, ſich des Feuers bewußt zu ſein, das ihn im Geheimen verzehrt, und kein Modell zu haben, worein den brennenden Strom zu gießen; zu fühlen, daß die geheiligte Flamme aus Mangel an Luft und Licht, um fröhliche oder trauer⸗ volle Muſik in ſeiner geheimen Seele zu machen, hin⸗ wegſtirbt, und niemals mit ſeinen äußeren Ohren eine Note von dieſen myſteriöſen Melodien durch die Luft klingen zu hören; zu fühlen, daß er mit Leidenſchaft lieben oder vor Zorn erzittern kann, während ſeine Stimme ſtumm, ſeine Hände weich und ſeine Augen trübe ſind— das iſt ein Schmerz, den wahrſcheinlich mancher ſchüchterne und ſchweigſame Mann empfunden hat; ein Schmerz, über welchen der Reiſende und der Narr, der Schwätzer vieler Worte oder der Skribler vieler Seiten mit Gleichgültigkeit oder einem verächt⸗ lichen Blick hinweggegangen iſt; gerade ſolche Leute ergreift dann ein einziges Wort, ein einziger Blick mit ſeltſamer Gewalt und öffnet in einem Augenblick die Schleuſen, welche Jahre lang verſchloſſen geweſen.
Die Bekanntſchaft, welche auf den Treppen der St. Laterankirche begonnen hatte, reiſte bald zu inniger Vertraulichkeit. Leslie's glühende und poetiſche Natur, welche der ruhige Kreislauf häuslicher Pflichten und
Intereſſen, ſowie das milde Licht einer frühen und un-
durchkreuzten Neigung nicht aufgeweckt hatten, trat jetzt


