Teil eines Werkes 
1.-4. Bändchen (1851)
Entstehung
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Ein junger Mann, der mit einer Zeichnung vor ſich auf der Treppe ſaß, hörte dieſe Worte, ſchaute auf, und während ein glänzendes, plötzliches italieniſches Lächeln auf ſeinem dunkeln Geſicht ſtrahlte, nickte er beifällig, ohne zu ſprechen. Dieſe ſchweigſame Ge⸗ berde machte ſie mit einander bekannt, und es wurden einige wenige Worte zwiſchen ihnen gewechſelt. Der junge Mann war ein Maler, und als Leglie ſeine Ar⸗ beit betrachtete, war er betroffen von dem außerordent⸗ lichen Talent, das ſich darin beurkundete. Die vage, geheimnißvolle, melancholiſche Schönheit der Campagna; der Contraſt zwiſchen der Pracht ihrer Färbung und ihrer gänzlichen Vrrlaſſenheit war in der haſtigen Skizze vor ihm ſo getreu wiedergegeben, daß er, auf dieſelbe deutend, in ſchlechtem Italieniſch, aber mit einem Lächeln ſagte:

Und auch dieß iſt Rom!

Ha, rief der junge Kunſtler,das gleicht Rom ſo wenig, als die Gebilde des Menſchen den Werken der Natur gleichen. Was ich mit dieſen Dingen da machen kann, fugte er, ſeine Palette und ſeine Pinſel in die Höhe haltend, hinzu,ſteht ſo unendlich weit hinter dem zurück, was ich da ſehe(auf die Campagna deu⸗ tend), oder hier!(ſeine eigene Stirne berührend). Es iſt ein großer Schmerz, lebendig aufzufaſſen und ſchwach wiederzugeben.

Dieß wurde mit ſolchem Ernſt und ſo ohne alle Affectation ausgeſprochen, daß Leslie augenblicklich Luſt empfand, den jungen Maler zu lieben und näher kennen zu lernen. Worte ergreifen uns zuweilen auf eine merkwürdige Weiſe. Eine Phraſe, eine Empfindung, die wir ſchon oft gehört haben können, feſſelt manch⸗ mal unſere Aufmerkſamkeit auf eine unbegreifliche Art; ſie berührt vielleicht irgend eine Saite, die durch eine kaum bemerkbare Vibration unſer Herz erweicht, und ſie ſchafft durch eine magnetiſche Gewalt in einem Augenblick Sympathie zwiſchen uns und dem Sprecher.