23
des Thauwetter ein. Es wurde zum zweitenmal Thee aufgetragen, und Walter, der den zärtlichen Blick, welchen Leslie auf ſeine Tochter geworfen, ſowie den erneuten Ausdruck des Vergnügens in dieſen Augen be⸗ merkt hatte, in welchen er nie ohne tiefen Schmerz eine Wolke ſehen konnte, ſchüttelte ſeine bedruckende Gravität ab. Er und ſein Freund begannen von ihrem früheren Treiben und alten Bekanntſchaften zu ſprechen; Mrs. Thornton, welche wie die Kanarienvögel immer lauter zwitſcherte, wenn Andere ſich unterhielten, fand eine Aufmunterung, ihren gewöhnlichen Ton wieder anzuſchlagen, und ibr Gattie erholte ſich langſam von ſeiner peinlichen Erſchütterung, dem Bewußtſein, das unrechte Ding zu unrechter Zeit ausgeſprochen zu haben. Uad nun muſſen wir in einem andern Capitel erflär n, warum Mr. Thornton's Bemerkung beſſer unterblieben wäre, und wie es kam, daß ſie die Verlegenheit der auf Grantley verſammelten Familie vergrößerte.
Zweites Capitel.
Kurze Zeit nach dem Tode ſeiner Frau hatte Henry Leslie England verlaſſen, um einige Monate Italien zu bereiſen. Die Veränderung der Landſchaft und die Aufregung der Reiſe für einen Mann von dreiund⸗ zwanzig Jahren, der nie über die Hauptſtadt ſeines Landes hinausgekommen war, erweckte ihn bald aus der Niedergedrucktheit, die ihn aus ſeiner Heimath genrieben hatte, um auswärts Geſundheit und Vergnügungen zu ſuchen. Nachdem er Frankreich durchreist und einige
Wochen in Turin und Mailand zugebracht hatte, befand er ſich juſt in derjenigen Gemüthsſtimmung, welche fehr bereitwillig neue Eindrücke zuläßt. Die Herbbeit des Kummers hatie ſich gelegt, und ein unbeſtimmter Wunſch nach friſchen Intereſſen und neuen Anregungen war


