21
Sie blickte wiederum Walter an, denn dieſer letzte Ausdruck war entſchieden poetiſch geweſen, und dießmal ging er bei ihm nicht verloren, denn er lächelte, wäh⸗ rend er von Neuem Margaret den Leuchter anbot, und er war eben im Begriff zu antworten, als das Geräuſch 4 von Wagenrädern, das Gebelle der Hunde und das laute * Geklingel der Glocke die Ankunft des Oberſten Leslie verkündeten, der nach zehnjähriger Abweſenheit in ſeine Heimath zurückkehrte. Die Thüren wurden aufgeworfen, zwei Hunde ſtürzten herein, Margaret trat vorwärts, Mrs. Thornton ſah ſehr aufgeregt aus, Mr. Thornton, den ſeine Gicht verhinderte ſo ſchnell aufzuſtehen, als er gewünſcht hätte, ſtreckte ſeine Hand aus, während auf ſeinem ſchönen offenen, ehrwürdigen Geſichte ein freudiges Lächeln deutlicher, als es mit Worten mög⸗ lich geweſen wäre,„Willkommen!“ ſagte. Walter ſchaute ungewöhnlich ernſt drein. Oberſt Leslie küßte Margaret auf die Stirn, ſchüttelte Mr. und Mrs. Thornton die 3 Hand und drückte dann ſchweigend Walter's Hand. Nun 4 erfolgte einer jener Zeiträume, welchen alle anweſenden Perſonen damit zubringen, daß ſie ſich bemühen unge⸗ mein glücklich auszuſehen und ſich glücklich zu fühlen, wäyrend ſie kaum dem Bewußtſein widerſtehen können, daß ſie ſich äußerſt unbehaglich befinden, und doch iſt es gebieteriſche Pflicht, ſowohl bei ſich ſelbſt, als bei Andern, dieſen Gedanken nicht aufkommen zu laſſen. Oberſt Leslie ſchien es in der That nöthig zu finden, große Anſtrengungen zu machen. Er ſetzte ſich in einen Lehnſtuhl und ſchurte das Feuer. Mr. Thornton lächelte, nahm eine Priſe, räuſperte ſich und fragte ihn dann: (wie ſchwierig iſt es doch, eine paſſende Frage für einen Mann zu finden, den man zehn Jahre lang nicht ge⸗ ſehen) ob er eine angenehme Reiſe gehabt habe. Mrs. Thornton, welche ſelten erlaubte, daß Jemand eine Frage für ſich beantwortete, wenn ſie zugegen war, nahm dem Oberſten das Wort aus dem Munde, indem ſie an ihren Mann die Gegenfrage ſtellte:„Wie könnte das eine
—


