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„Und das ſoll ſie auch; ſie iſt von jeher dazu er⸗ zogen worden. Wer ſollte auch den erſten Platz unter uns haben, wenn nicht Margaret ihn hätte? Wenn Sie ſich darüber Kummer machen, mein liebes Kind, daß Ihr Vater nicht erfreut ſei, Sie zu ſehen, ſo iſt dieß thöricht, wirklich ſehr thöricht, weil—*.
„Ich ſagte nicht, er ſei nicht erfreut, mich zu ſehen,“ fiel Margaret ein, während ihre Wangen ſich färbten, denn ſie nahm die tadelnden Bemerkungen ihrer Groß⸗ mama nicht immer mit Geduld auf.
„Aber, meine Liebe, wie ſollte er ſich freuen, Sie zu ſehen? Nur dadurch, daß wir die Leute erproben, lernen wir ſie lieben,“ und ſie blinzelte dabei Walter zu, um ihm zu bedeuten, daß dieſe letzte Phraſe ihm gelte;„ich liebte meine Kinder nicht, als ich ſie nicht kannte.“
„Und wann war das?“ fragte Margaret etwas verfänglich, denn man muß bekennen, daß ſie an dieſem Tage ein wenig unwirſch war. 1
„Als ſie in die Schule gingen, liebes Kind, da ſagte ich immer zu meinen Jungen: Nun, Ihr Burſche, ich bin fertig mit Euch, ich habe Euch nichts mehr zu ſagen. Schulbuben bekümmern ſich nicht um ihre Mut⸗ ter und ich will daher nichts von Euch wiſſen. Sprecht nicht mit mir, bis Ihr herangewachſen ſeid. Laßt mich nichts von Euch hören; kommt mir nicht zu nahe.“
„Ich erinnere mich nicht,“ bemerkte Walter,„daß John und Enſtace Ihren Befehlen gehorcht hätten. Sie ſchienen mir in den Ferien immer ſehr nahe bei Ihnen zu ſtecken.“
„Ja, ſte gaben nicht viel auf das, was ich zu ihnen ſagte,“ verſetzte Mrs. Thornton;„ich war für ſie immer eine Null, ein Nichts, ein gar nicht vorhandenes Weſen. Sie liefen hinter mir her, weil ich ihnen Zuckerbohnen gab, aber ſie liebten mich nicht, ſie bekümmerten ſich nicht um mich, es war kein Verbindungsglied zwiſchen uns vorhanden.“


