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uns in das Bibliothekzimmer zurückwenden, wo die zur Bewillkommnung des Oberſten Leslie verſammelte Geſell⸗
ſchaft nach mehrſtündiger vergeblicher Erwartung eben in.
Begriff ſtand, ſich für dießmal gute Nacht zu ſagen.
„Wiederum einen Tag umſonſt gewartet!“ rief Mar⸗ garet, indem ſie ihre Hand nach dem Leuchter ausſtreckte, welchen Walter auf ihrem Weg nach der Thüre bereil hielt.„Iſt es nicht ſonderbar, daß mein Vater nicht kommt oder ſchreibt?“
„Allerdings,“ antwortete Walter.„Als Sie ihn in der Stadt verließen, ſagte er Ihnen doch beſtimmt, er würde für geſtern kommen. Sagte er nicht ſo?“
„Ja, freilich, ſo ſagte er und hielt mir dann zum Abſchied ſeinen Finger hin. Schauen Sie nicht ſo
böſe drein, Walter! Sie wiſſen, wie ſehr ich mich ſehnte,
meinen Vater zu ſehen, mit welcher Freude ich die Nachricht von ſeiner Ankunft nach dieſer langen Ab⸗ weſenheit aufnahm, und mit welcher Ungeduld, welcher inneren Bewegung ich nach London eilte, um ihn zu treffen. Während der langweiligen Reiſe hatte ich nur dieſen einzigen Gedanken. Als wir in Newbury über⸗ nachteten, konnte ich kein Auge zuthun, ich hörte jede Stunde ſchlagen und ſehnte mich innig nach dem Tages⸗ licht; als wir dann nach London kamen und durch die Straßen fuhren, da konnte ich kaum ruhig ſitzen; und als ich anlangte(ich werde dieſes Hôtel immer haſſen),
da hieß es: Oberſt Leslie iſt ausgegangen! Ausge⸗
gangen, um einen Spaziergang zu machen! Da ſaß ich denn allein in dieſem viereckigen, abſcheulichen Zimmer und wartete— wartete zwei Stunden! Endlich kam er herein.“
„Und war er da nicht freundlich?“ 1
„O doch, er war ſehr freundlich. Niemand iſt je unfreundlich gegen mich. Doktor Bartlet oder Lord Donnington ſind, wenn ſte hierher kommen, ſehr freund⸗ lich. Sehen Sie, Walter, wir wollen uns nicht täuſchen. Ich habe nie einen Gedanken gehabt, den ich Ihnen
„


