Teil eines Werkes 
1.-4. Bändchen (1851)
Entstehung
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wünſchte, nicht berichten zu muͤſſen, daß man Margaret oft bei andern Gelegenheiten hätte erklären hören, ſie könne ſich keinen größern Unſinn denken, als die Be⸗ ängſtigungen ihrer Großmutter über ihr etwaiges Sicherkälten.

Es iſt wahr, daß ſie mit Begeiſterung die Lebens⸗ geſchichten der Sankt Eliſabeth von Ungarn und der Sankt Margareth von Schottland las, dieſer liebens⸗ wurdigſten aller Frauen, dieſer frömmſten aller Heili⸗ gen, die als Königstöchter und Bräute von Helden mit ihren eigenen Händen Ausſätzige verpflegten und mit der Zärtlichkeit einer Mutter Menſchen ernährten. von denen ihre eigenen Mütter mit Eckel ſich abwand⸗ ten; aber es iſt unglücklicherweiſe ebenſo wahr, daß ſte es kaum über ſich bringen konnte, Mrs. Jones, eine alte Frau im Dorfe, welche Walter ganz beſonders ihrer Aufmerkſamkeit empfohlen hatte, zu beſuchen, weil ihr Stübchen unerträglich eng und ſie im Stande war, ihr die Wunde an ihrem Bein zu zeigen.

Es iſt wahr, daß, als ſie von Mrs. Frys erſtem Beſuch in Newgate hörte, wie dieſelbe ruhig die Thüre hinter ſich verſchloß, wie ſie allein, mit der Bibel in der Hand, unter die rohen und ausgelaſſenen Weiber vortrat, welche damals nur durch bewaffnete Mannſchaft in Zucht gehalten werden konnten, und dieſelben als Schweſtern und Freundinnen anredete, in jenen Tönen und mit jenem Ausdruck, den ſich Niemand denken kann, der ſie nicht ſelbſt gehört hat, und welchen Die⸗ jenigen, die ihn gehört haben, niemals vergeſſen kön⸗ nen es iſt wahr, daß, als ſie ſolchen Erzählungen lauſchte, ihr Herz in ihrem Buſen brannte und ſie ſich ſehnte, hinzugehen und das Gleiche zu thun; aber bei der nächſten Gelegenheit ihren Muth zu üben, eine Abneigung zu bemeiſtern, einen Schmerz zu ertragen oder Müdigkeit zu überwinden, konnten dieſe hohen Entſchließungen und edlen Entwürfe in der Luft ver⸗ ſchwinden, oder die Menge jener guten Vorſätze ver⸗