Teil eines Werkes 
1.-4. Bändchen (1851)
Entstehung
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wir uns je gedacht haben, dann würdigen wir ſie eines beifälligen Nickens oder eines kalten Ausdrucks der Billigung. Sie haben ihre Pflicht gethan, und hätten ſite dieſe nicht gethan, wären ſie gefallen in die tauſend Schlingen, welche die Armuth mit ſich bringt, hätte die bleiche Mutter für das hungernde Kind ein Stück⸗ chen Brod geſtohlen, hätte das ſchmerzlich verſuchte, verhungernde Mädchen das Hemd, das ſie in Verwah⸗ rung hatte, auf einen Tag verpfändet, dann hätte die rauhe Juſtiz ſich ihrer bemächtigt und die Gnade hätte ihr Ohr verſchloſſen gegen ihr Geſchrei. Und wenn ſie das Geſetz des Landes nicht übertreten, ſondern nur auf eine Weile den Kampf der Verzweiflung aufgegeben, in ihrem ärmlichen Dachſtübchen mit ſtarren Augen und gekreuzten Armen ſich niedergeſetzt und zu dem flüchti⸗ gen Wahnſinn des Branntweins oder der tödtlichen Betäubung des Opiums ihre Zuflucht genommen haben, dann wenden wir(wir, die wir in das Innere unſerer Häuſer oft Menſchen zulaſſen, deren ganzes Leben eine Reihenfolge von Müſſigang und ſelbſtſüchtigem Ueber⸗ muth iſt), wir wenden uns in aller Strenge unſeres Gerechtigkeitsdünkels von ihnen ab, und den unglück⸗ lichen Geſchöpfen, die vielleicht nach Jahrelangen ge⸗ heimen Kämpfen endlich nicht der Leidenſchaft, nicht der Eitelkeit, ſondern dem Hunger weichen, weichen mit Verzweiflung im Herzen und Wahnſinn im Ge⸗ hirn dieſen werfen wir einen Blick zu, welchen wir dem Verbrechen und der Verdorbenheit nicht zuzuwerfen wagen, wenn ſie uns in unſern gedrängtvollen Salons mit allem Pomp und Auſſehen ſchuldbehafteter Wohl⸗ habenheit begegnen.

Solcher Art waren Walters Gedanken, ſolcher Art waren ſeine Sympathien, und obſchon er ſelten über den Gegenſtand deklamirte, ſo fühlte er doch tief und handelte demgemäß. Sein Einfluß auf Margaret war groß, berührte aber mehr ihre Denkungsart, als ihre Lebensweiſe. Er konnte ihr Liebe zu allem Großen