die ſie nicht zu lenken verſtanden und daher zu erſticken 3
bemühten, wie der ungeſchickte Landwirth, der den Strom eindämmen möchte, dem er keine Leitung zu geben verſteht, da ging ſie zu Walter, und ihm offen⸗ barte ſie Alles in einer Sprache, welche er verſtand, denn der Genius hat eine eigenthümliche Einfachheit, welche die Einfalt der Kindheit zu würdigen weiß, und von ihr nach Gebühr geſchätzt wird. Als ſie zum erſten Mal erfuhr, daß Religion etwas mehr bedeute, als einmal in der Woche in die Kirche zu gehen und den Katechismus auswendig herzuſagen, daß die Poeſte nicht bloß Verſemacherei, ein Geſpräch nicht bloß ein Ge⸗ ſchwätze, das Leben kein Kinderſpiel ſei, als ihr ſeine Formen und ſeine Geiſter, ſeine Wirklichkeiten und
ſeine Myſterien in einer neuen Geſtalt und mit wunder⸗
barer Macht vor die Augen traten, da wandte ſie ſich wieder zu Walter, und von ihm vernahm ſie herrliche Wahrheiten, welche unſerm Schickſal eine Bedeutung und unſern Handlungen einen Zweck geben. Er gab ihr Bücher, und während er ihren Geiſt ſorgfältig vor Allem bewahrte, was ihn beflecken konnte, erfüllte er ihn mit hohen Gedanken und edlen Bildern. Selbſt⸗ aufopferung in jeder Geſtalt war das Thema ſeiner Lektionen, der Gegenſtand ſeiner Verehrung, und Margaret lauſchte mit funkelnden Augen und flammenden Wan⸗ gen, wenn er von heroiſchen Thaten erzählte, von ge⸗ prieſenen Handlungen der Selbſtüberwindung, worin
der wahre Muth der Seele beſtehe; wenn er von der
Ehre ſprach, welche man dem Märtyrer ſchulde, der für ſeinen Glauben ſtirbt, dem Patrioten, der ſeine Bruſt tauſend Feinden entgegenbietet, dem Miſſionär, welcher Chriſtum bekennt, obſchon das Skalpirmeſſer vor ſeinen Augen funkelt, der barmherzigen Schweſter, welche den Schreckniſſen der Peſtilenz in den eckelhaften Wohnungen der Krankheit Trotz bietet, und endlich, und zwar nicht am Wenigſten, jenen einſamen Mär⸗ tyrern, jenen unbeachteten Bekennern, jenen weichen


