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Thornton, die im Pfarrhauſe wohnte, ſowie von Wal⸗ ter Sydney überwacht wurden, welchem Leslie mehr Vertrauen ſchenkte, als irgend einem Mitgliede ſeiner eigenen Familie. Es war ein Glück für das kleine
Mädchen, daß dieß der Fall war, denn ein einziges
Kind, eine Erbin und eine Schönheit, lief ſie bedeu⸗ tende Gefahr, gänzlich verderbt zu werden, wenn Wal⸗ ter nicht mit der ganzen Sorgfalt eines Vaters und der Zärtlichkeit eines Bruders über ſie gewacht hätte. Er entdeckte bald in ihrem Charakter jene un⸗ geſtümen Eigenſchaften, welche für das Gute wie für das Böſe gleich ſtark ſind, je nach der Richtung, die man ihnen gibt. Die übertriebene Nachſicht, womit ſie beſtändig behandelt wurde, hatte unter vielen böſen Reſultaten wenigſtens ein gutes; Margaret war das aufrichtigſte Geſchöpf von der Welt, und vom Augen⸗
blicke an, wo ſie als Kind ihre erſten Worte gelallt
hatte, war keine Falſchheit über ihre Lippen gekommen. Es lag darin kein moraliſcher Muth; es war das Re⸗ ſultat einer offenen und furchtloſen Natur, ſowie einer Erziehung, welche, wenn ſie auch die böſen Triebe itres Charakters nicht genugſam gehemmt, doch wenigſtens die guten nicht verderbt hatte. Es war kein Verdienſt da⸗ rin, ich wiederhole es; aber es war ſchön, wie ein glänzender Tag, wie ein heller Himmel, wie ein reiner See ſchön ſind. Es war etwas Friſches aus den Hän⸗ den Gottes und unverderbt von Menſchenhand: und oft, wenn Walter in die blauen Augen des Kindes ſchaute, oder die Locken zertheilte, die ſich auf ihrer ſchönen offenen Stirne drängten, gedachte er der empfeh⸗ lenden Worte, welche unſer Herr über Nathangel ge⸗ ſprochen, und er murmelte, wenn er das kleine Mäd⸗ chen an ſein Herz drückte:„Ein Kind, an welchem wahrlich kein Falſch iſt.“
Als ſte älter wurde und zum Bewußtſein von Ge⸗ danken kam, welche ihre Großmutter und ihre Gouver⸗ nante nicht begreifen konnten, ſowie von Fähigkeiten,


