Gedanken verrathen konnte. Sie ſchien enlweder nach⸗ denklich oder ſchläfrig zu ſein. Ihr zur Seite befand ſich halb ſitzend, halb gelehnt ein Mädchen an der Bruſtwehr; ihre ſchlanke, graziöſe Geſtalt war in einen Pelzrock eingehüllt, der in ſchweren Falten an ihr hinabhing, die Arme hatte ſte über der Bruſt gekreuzt, ihre Augen hafteten bald auf dem Boden, bald ſchweif⸗ den ſie uber die Straße durch den Park hin und wan⸗ ten ſich dann haſtig wieder ab. Von Zeit zu Zeit riß ſie eine Chinaroſe von dem unten ſtehenden Buſche ab und ſtreute ihre Blätter mit ſorgloſer Verſchwen⸗ dung um ſich her. Margaret Leslie war ein ſchönes Mädchen. Ihre Augen hatten jene eigenthümliche Farbe, welche vom Eiſengrau bis in's tiefſte Violet ſpielt; ihre Naſe war klein und gebogen, der Mund vortrefflich geformt, aber in den Winkeln etwas niederwärts gekrümmt, ſo daß, wenn ſtie nicht lächelte, etwas vielleicht nicht ganz An⸗ genehmes in ſeinem Ausdrucke lag; das Lächeln aber war ſo bezaubernd und ſo häufig, daß man kaum Zeit hatte, es zu vermiſſen, bevor es von Neuem in ſeiner ganzen Lieblichkeit ſtrahlte. Ihre Wimpern waren ſchwarz und lang, und ihr Haar wallte nicht in ſteifen Ringeln, ſondern in reichen braunen Flocken um den weißen ſchlanken Hals. Während ſie die fliegenden Noſenblätter betrachtete und vergebens ihr Hinabſteigen in das Baſſin eines kleinen unter der Terraſſe ſtehen⸗ den Brunnens zu vermitieln ſuchte, zogen ſich ihre ſchmalen, zart gepinſelten und geſchweiften Brauen zu einem Stirnrunzeln zuſammen, welches jedes andere weniger unregierliche Ding, als fliegende Roſenblätter find, in Ordnung hätte erhalten können. Es war in der That eine allzu ſanguiniſche Erwartung, daß die⸗ ſelben bei dem ſanften Winde, welcher ſich juſt erhob, als die Sonne hinter dem Hügel verſank, nicht hinaus⸗ wärts fliegen würden; aber Margaret's Erwartungen
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waren zu lebhaft, um vernünftig zu ſein. Zum Bei⸗


