Schloß Grantley.
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Erſtes Capitel.
Es hatte den ganzen Tag geregnet. Gegen fünf Uhr machte die Sonne eine verzweifelte Anſtrengung, einen Augenblick zu ſcheinen vor ihrem endlichen Ver⸗ ſchwinden hinter dem graſigen Hügel, der ſich vor Schloß Grantley erhebt. Eine ſchwere Wolkenmaſſe, juſt an den Rändern gefärbt von einem hellem Purpurſtreif, rollte langſam am Himmel hin, der über den Abbey Woods, Heron Caſtle und dem hohen Moorland ſchwebte, welches ſich bis in das Thal des Schloſſes hinauf aus⸗ dehnt. Die rothen Ahornbäume und die gelben Buchen im Parke trugen ihre luſtigſten Herbſtfarben, obſchon viele ihrer ſchimmernden Blätter auf dem Gras unten zer⸗ ſtreut lagen oder den reißenden Strom hinabſchwammen, welcher durch das Thal hin einem ſtarken Fluſſe, etwa zwanzig Meilen weiter ſüdlich, zueilte. Ein ſchöner Novembertag hat eine ganz eigenthümliche, unbeſchreib⸗ liche Milde an ſich, eine ruhige und melancholiſche Schönheit, welche die Seele durchdringt und einen ſanften Frieden über ſie ergießt. An dem Tag und der Stunde, wovon ich ſpreche, ſtanden zwei Perſonen an dem ſteinernen Geländer, welches den Blumengarten des Schloßgebäudes von dem unten liegenden Parke trennt. Eine von ihnen war eine ältliche Frau, deren ruhige Züge und leeres Hinſtarren vor ſich entweder gänzliche Gedankenloſigkeit oder tiefe Verſunkenheit in
Schloß Grantley.. 1


