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Stelle würdiger erfüllen, als die von Gott verlaſſene Amalie!“ 3 „Allgütiger, iſt es möglich!“ rief Sido⸗ nia, und umſchlang die Gräfin mit Leiden⸗ ſchaft und dem Ausdrucke des heiſſeſten Dankes. „Engel des Himmels, Retterin meines Lebens, welcher Edelmuth! Mein armes Herz ertraͤgt die Wonne nicht, die Sie ihm ſchenken; mein Geiſt kann den ſchnellen Wechſel nicht faſſen, der mich plötzlich aus dem tiefſten Elend zur höchſten Seligkeit emporhebt! Mir ſchwindelt vor dieſer jähen Veränderung! Theodor mein, er, der mir alles iſt! Graͤfin, darf ichs glau⸗ ben? Wirklich glauben, daß Sie Ihren Gat⸗ ten aufgeben, ihn den ſchönſten, den edelſten Mann, um Ihre Nebenbuhlerin zu beglücken?“ „Um Walter zu beglücken! Halten Sie mich nicht für beſſer, Graͤfin Sidonia, als ich bin,“ ſagte Amalie und trocknete ihre Augen. „So ſehr auch Ihr erſter Blick mich beſtochen hat, ſo ſehr ich von Ihren bisherigen Leiden gerührt, von Ihrer Geſtalt eingenommen bin;
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