— 165—
keine zweite Liebe in mir aufzunehmem ver⸗ mag! Auch habe ich nie gehört, daß man um Gegenliebe bettelt, wie um ein Allmoſen. Sie ſind mir gleichgültig, und werden es mir ewig bléiben! Trüge ich auch nicht dieſe ungeheure Leidenſchaft im Buſen, Sie könnte ich nimmer lieben!“
Dies war zu viel für Wendhorſts unbe⸗
ggrenzte Eitelkeit! In Haß verwandelte ſich
ſchnell ſeine vermeinte Liebe, und konnte er
auch Sidonien nicht ſchaden— was lag ihr, die ſie nur noch für eine einzige Empfindung lebte, an ſeinen etwanigen Reden!— ſo wollte er ſich doch rächen an ihrem Geliebten. Er gieng zu Amalien. Sie ließ ſich mit Unpäßlichkeit ent⸗ ſchuldigen. Wendhorſt war ihr immer zuwider geweſen, und hatte ihre natürliche Abneigung gegen ihn, durch haͤufige Anſpielungen auf Walters finſtere Laune und ſeine Kälte für ſie, noch vermehrt. Als er nach oft vergeblichen Beſuchen ſich eines Tages wieder melden ließ, und Amalie ihn abermals nicht annehmen woll⸗


