Druckschrift 
Der zerbrochene Postwagen im thüringer Walde : humoristische Erzählungen / von Gustav Friedrichsohn
Entstehung
Einzelbild herunterladen

— à2—

glaube, ich wuͤrde einen rechten guten Ehemann abgeben, und wenn Du Dich entſchlieſſeng koͤnn⸗ teſt, es mit mir zu verſuchen, ſo, ſo—

Wie? rief Julie ſich verfaͤrbend, verſtehe ich recht? Sie wollen mich heirathen, mich, Ihre Nichte? Stiefnichte na. fiel der Oheim ein, Stiefnichte, liebes Kind, das aͤndert viel. Julie nahm ſich raſch zuſammen, und die alte Laune heuchelnd fing ſie an laut zu lachen und ſagte: wirklich Onkelchen, ich haͤtte mir gar nicht einge⸗ bildet, daß Sie in Ihren alten Tagen noch ſo ſpashaft waͤren. Sie mich heirathen? wirklich ein allerliebſter Spaß, und ich haͤtte mich beinahe verfuͤhren laſſen, es fuͤr Ernſt zu nehmen. Das muß ich doch gleich meiner guten Werner erzaͤh⸗ len.— Huſch, war ſie zur Thuͤre hinaus und fort aus dem Hauſe. Der arme Gieshuͤbel ſaß ganz verbluͤfft da und ſtoͤhnte: uͤber den Leichtfuß. Spaßl! ein ſchoͤner Spaß! So? die alte Gelbfuß oder die noch aͤltere Herzig ſoll ich nehmen? Wo nimmt nur der Gelbſchnabel den Muth her, ſei⸗ nen alten Oheim ſo einen Effront anzuthun? Sie meint— das merke ich wohl— ich waͤre zu alt fuͤr ſi ſie— hm! waͤre das denn wirklich wahr?— Und dieſes uͤberlegend, ſchlief er ein.