— 30— ſehen iſt, und in welchem Tetzel ſeine Schätze auf⸗ bewahrte, hatte die einladende Aufſchrift:
„Sobald das Geld im Kaſten klingt, „Sobald die Seel im Himmel ſpringt.“
Dieſer Ablaßhandel war ſo kaufmänniſch ein⸗ gerichtet, daß Tetzel eine feſtgeſetzte Taxe beſaß, nach welcher die verſchiedenen Sünden, dem Ver⸗ haltniß ihrer Schwere gemäß, vergeben wurden⸗ So koſtete z. B⸗
Die Erlöſung einer gewöhnlichen Seele aus dem Fegfeuer ſechs Groſchen,
eine ſogenannte Zauberei zwei Ducaten,
eine Vielweiberei ſechs Ducaten,
ein begangener Mord acht Ducaten,
ein Kirchenraub endlich neun Ducaten.
Das Volk fand es bequemer, Geld zu miſſen, als ſein Leben zu beſſern, und Tetzels Waare fand daher eben ſo vielen Beifall als zahlreiche Abneh⸗
mer.
Daher ſtröhmte auch die Menge aus Witten⸗ berg zu ihm, als er in deſſen Nähe predigte und Ablaß ſpendete, und Luther erhielt im Beichtſtuh⸗ le ſtatt reuiger Gemüther, gedruckte Ablaßzettel, welche die Stelle jener vertreten ſollten. Welch
ein Aerger für den frommen, feurigen Prieſter!
Er erklarte ſeinen Beichtkindern unumwunden,


