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Wie Luther lebte, lehrte und starb : ein Volksbuch für evangelische Christen zu dem bevorstehenden dritten Jubelfeste der Kirchenverbesserung / von G. Friederich
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da fand ero der Freude! eine Bibel. Nie hat⸗

te er noch dieſes Buch in der ganzen Fülle ſeines Umfanges erblickt, ſtehts wähnend: es enthalte nur die gewöhnlichen Evangelien und Epiſteln. Mit welchem Entzücken verſchlang er jetzt ſeinen Inhalt, wie labte er ſich an den herrlichen Ge⸗ ſchichten des alten und neuen Bundes. Der Zu⸗ fall wollte, daß er zuerſt die Hiſtorie des frommen Samuel's und ſeiner Mutter Hanna aufſchlug.

Das Gottvertrauen des ſchuldloſen Knaben, ſein nachheriger reiner Wandel und ſeine ganze ge⸗ weihte Beſtimmung ergriffen den edlen Jüngling ſo innig, daß auch in ſpäteren Jahren jener heili⸗ ge Seher ſtets ſein Liebling blieb, und er in je⸗ nem zufälligen Ereigniſſe, das ihn zuerſt gerade dieſe Geſchichte aufſchlagen ließ, Spuren der Vor⸗ ſehung ſah und gewiſſe Aehnlichkeiten in ſeinem Leben mit dem des Propheten fand.

Hier, in dieſem Auffinden der Bibel lag un⸗ ſtreitig der erſte Keim zu Luthers nachherigen Re⸗ formatisnswerke, denn in ihr las er Gottes Wort, ach! und wie lauter, einfach und verſchieden war daſſelbe von den uͤblichen Satzungen und Glaubens⸗ lehren der herrſchenden Kirche.

Seine Kenntniſſe waren indeſſen ſo ſehr gereift,

daß er im Jahre 1505 die Würde eines Magiſters der Weltweisheit annahm und den übrigen Stu⸗ dierenden Vorleſungen zu halten begann, als