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„Kennen Sie meine Schweſter?“ unterbrach Henriette die Erzählerin.
„Wie ſſollte ich nicht,“ war des Mädchens Antwort,„ſie unterrichtete ja das gnädige Fräu⸗ lein in——
„Richtig, ich beſinne mich. Sahen Sie Eber⸗ hardinen in der letzten Zeit bei Fräulein von Har⸗ tenſtedt?—¹
„Nur ein einziges Mal, wenig Tage vor ihrem Tode. Sie brachte ihr aus dem Schweſterhauſe zum Herzen Jeſu eine Reliquie der heiligen Apollonia zu küſſen und verſprach ſich viel von dieſem ſchon oft bewährten Heilmittel in Seelenkrankheiten. Frau Wolfgang blieb lange mit meiner jungen Herr⸗ ſchaft allein, aber der Beſuch ſammt der Reliquie hatte unſerer Kranken doch wenig Segen gebracht. Ich fand ſie, nachdem Ihre Frau Schweſter ſie verlaſſen, zum Tode matt und ſprachlos vor Er⸗ ſchöpfung. Die iſt jetzt, wie man ſagt, eine reiche Frau; ein lange in der Schwebe hängender Pro⸗ zeß iſt ihr gewonnen worden. Vorgeſtern iſt Ma⸗ dame Wolfgang von M. abgereist, ich weiß es von meinem Bruder, der mit ihrem Gepäck zu ſchaffen gehabt und mit ihr zum Bahnhof gefahren iſt.“


