Teil eines Werkes 
2. Th. (1862)
Entstehung
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wie ſie nur ihren qualvollen Seelenkämpfen unter⸗ lag, davon hatte der gnädige Herr keine Ahnung. Ich aber durfte ja nicht reden, mich band ein ſchauerliches Gelübde, das mein Beichtvater mir abgenommen, als ich die Gänge in die Frühmeſſe dem Herrn verrathen. Ungehorſam gegen meine Gebieterin lautete damals das Sünden⸗ regiſter, das ſie mir vorhielten; ach und ich war doch nur aus Liebe, aus wahrer Herzensangſt un⸗ gehorſam geweſen und ſpätere Zeiten haben bewie⸗ ſen, daß ich lieber meinen Eid hätte brechen als gegen den Herrn Oberſten ſchweigen ſollen. Oft belauſchte ich Nachts meine unglückliche Herrin durch eine Spalte der Tapetenthür, welche unſere Schlaf⸗ kabinete von einander trennte, wie ſie, die Schuld⸗ loſe, vor der Gebenedeiten auf den Knieen liegend, die Hände rang, und durfte nicht zu ihr eilen, und rufen: Gott iſt die Liebe wie ſollten denn wir ſeine Kinder durch Liebe uns verſündigen? O es war ſchrecklich, ſchrecklich mit anzuſehen, und ſeit des gnädigen Fräuleins Tode bin ich mein Heiland verzeih' mir's noch nicht wieder zu Meſſe und Beichtſtuhl gegangen.