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uns ſelbſt, daß wir einen Widerſtand, eine kalt⸗ ſinnige Selbſtbeherrſchung von ihm verlangen, die wir weder ſelbſt beſitzen, noch an der Geliebten uns wünſchen. Eine Selbſtbeherrſchung, die wir aus allen Kräften bekämpfen und die wir doch, ſobald ſie ſchwindet, zum Vorwand unſerer Verdammniß, un⸗ ſerer Erkaltung und Untreue nehmen, während wir, anſtatt den Stab zu brechen, an unſere Bruſt ſchla⸗ gen und rufen ſollten: Gott ſei mir Sünder gnä⸗ dig! O, wie gemein! Aber wahrlich, Lothar, ich ſage Dir: der Stein, den wir werfen, fällt mit verdoppelter Schwere auf uns ſelbſt zurück.
Ich ſchließe dieſe Zeilen mit einigen Strophen, die ich im Laufe vorigen Sommers, von einer weib⸗ lichen Hand geſchrieben— ſeltſam genug— in einem Fremdenbuche auf dem ſächſiſchen Oywin fand. Die mangelhafte Form und drei bis vier orthogra⸗ phiſche Fehler, welche ſich in dem kleinen Gedichte finden, laſſen in der Verfaſſerin eine auf niederer Bildungs⸗ ſtufe ſtehende Tochter des Volkes vermuthen, und eben deßhalb ſollten die ſchmerzerfüllten Worte des Inhaltes von uns Männern beherzigt werden.
Von uns wenigſtens, die wir ſo gerne um fremdes Frick, d. opfernden Götter I. 14


