Teil eines Werkes 
1. Th. (1862)
Entstehung
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ſich einkrallt. Angelika ſoll dem Manne, den ſie liebt, ſie ſoll dem Vater ihres Kindes geſetzlich ſich ver⸗ binden, und müßte ich wenn dies Ungeheuer eines herzloſen Gatten ſich nicht fügſam zeigt ſie erſt zur Witwe machen. Was dann geſchieht ich weiß es nicht. Lieſeſt Du aber dieſe Blätter jemals ſo iſt geſchehen, was zuweilen, wie ein dunkler Nachtvogel, mir durch die Gedanken ſchwirrt. Ich habe dann aufgehört Menſch zu ſein, und bin das willenloſe Glied einer Kette geworden, die von einem Pole der Erde bis zum andern reicht.

O Lothar, welch' eine geheimnißvolle, im erſten frevelnden Jugendübermuthe von uns geleugnete Macht liegt doch in dem Wunſche des Mannes, von edlen Frauen ſich geachtet, geliebt, mit Vertrauen geehrt zu wiſſen. Warum zertrümmern wir uns die⸗ ſen Himmel ſo leichtſinnig, warum bewegen wir uns mit unſerem Denken und Thun, mit unſerem Ver⸗ dammungsurtheil über Andere und unſerer über⸗ großen Nachſicht gegen uns ſelbſt in Widerſprüchen, die zu einer Löſung gewöhnlich erſt im Alter oder im Zuſtande jener Blaſirtheit kommen, die ſchlimmer iſt, als ein rüſtiges Alter. Verzeih' mir, Lothar, daß ich geſchriebenWir. Du und ich wir ſind