Der Kaufmann begann nach einer Pauſe:„Daß Sie ſo eilig von uns gehen, lieber Wohlfart, kommt auch meiner Schweſter ungelegen. Sabine hatte gerade jetzt den Wunſch, Sie um einen Ritterdienſt zu erſuchen, wie ihn die Schweſter eines Kaufmanns verlangen kann. Auch ich wünſche ſehr, daß Sie dieſe Bitte nicht abſchlagen. Sabine bittet, daß Sie ihr einige Blätter durchſehen und dabei ihr Intereſſe mir gegenüber wahrnehmen. Es iſt keine große Arbeit.“
Anton wandte ſich mit Ueberwindung um und machte ein Zeichen der Einwilligung.
„Zuvor aber erfahren Sie einen Umſtand, der Ihnen vielleicht noch nicht bekannt iſt,“ fuhr der Kaufmann fort. „Sabine iſt ſeit dem Tode meines Vaters mein ſtiller Aſſo⸗ cié; ihr Rath und ihre Willensmeinung hat in unſerm Com⸗ toir öfter den Ausſchlag gegeben, als Sie wohl meinen. Sie iſt auch Ihr Chef geweſen, lieber Wohlfart.“ Er winkte der Schweſter und verließ das Zimmer.
Erſtaunt ſah Anton auf den Chef im hellan Frauen⸗ gewande mit ſchwarzen Haarflechten. Manches Jahr hatte er, ohne es zu wiſſen, auch ihr gehorcht und ihr zu Dienſten gehandelt. Und wie in alter Zeit ſich der reiſtge Vaſall ſeiner jungen Lehnsherrin neigte, ſo verneigte auch er ſich unwillkürlich vor der jungfräulichen Geſtalt, welche jetzt mit gerötheten Wangen auf ihn zutrat.
„Ja, Wohlfart,“ ſprach Sabine ſchüchtern.„Auch ich habe ein kleines Anrecht an Ihr Leben gehabt. Und wie ſtolz war ich darauf!— Schon um die Weihnachtskiſte, welche in Ihr Haus kam, wußte ich, und mein war der Zucker und Kaffe, den der kleine Anton trank. Als Ihr guter Vatet zu uns kam und eine


