— 325—
wie dein ganzes Leben war,— bis auf zwei Stunden der Verzweiflung.“ Sie hielt die Hand des Blinden an das Bündel Schuldſcheine und riß jeden einzelnen durch, ſie klin⸗ gelte dem Diener und ließ die Papiere Stück für Stück in den Ofen werfen. Die Flamme flackerte hell auf und warf ein rothes Licht über das Zimmer, es rauſchte und kniſterte, bis der Brand verglommen. Die Dämmerung des Abends füllte die Stube, und an dem Bett der kranken Frau lag der Freiherr und drückte das Haupt in die Decken, und ſie hielt ihre Hände über ihm gefaltet, und ihre Lippen bewegten ſich im leiſen Gebet.. Im Morgengrau flattern die Krähen und Dohlen über dem Schnee des Schloßdaches. Die ſchwarzen Vögel ſchweben um die Zinne des Thurms, und ſie brechen mit lautem Ge⸗ ſchrei nach dem Walde auf und erzählen ihrem Volk, daß im Hauſe eine Braut ſei und eine Todte. Die bleiche Frau aus der Fremde iſt in der Nacht geſtorben, und der Blinde, welcher jetzt zuſammengeſunken in den Armen ſeiner Tochter liegt, hat in ſeinem Schmerz nur ein tröſtendes Gefühl, daß er ihr, die endlich Ruhe gefunden, in Kurzem nachfolgen wird. Und die Unglücksvögel rufen in alle Lüfte, daß auch die fremden Einwanderer dem alten Slavenfluch verfallen ſind, der auf dem Schloſſe und auf dem Grunde liegt. Aber den Mann, welcher jetzt im Schloß gebietet, kümmert es wenig, ob eine Dohle ſchreit, oder die Lerche; und wenn ein Fluch auf ſeinem Boden liegt, er bläſt
lachend in die Luft und bläſt ihn hinweg. Sein Leben
wird ein unaufhörlicher ſtegreicher Kampf ſein gegen die fin⸗ ſtern Geiſter der Landſchaft; und aus dem Slavenſchloß


