Teil eines Werkes 
3. Bd. (1855)
Entstehung
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braves Weib fürchten muß, unter mein Joch zu kommen? So wie du biſt, Lenore, entſchloſſen, kühn, ein kleiner Teufel von Leidenſchaft, gerade ſo will ich dich haben und nicht anders. Wir ſind Waffenbrüder geweſen und wir werden es in dieſem Lande bleiben. Der Tag kann wiederkommen, wo wir beide in unſerm Hauſe den Kolben an die Wange legen, und das Volk um uns verlangt einen Sinn, der eher einen Schlag giebt, als einen erträgt. Und wäreſt du nie⸗ mals die Sehnſucht meines Herzens geweſen, und wäreſt du ein Mann, ich würde dich für mein Leben zu gewinnen ſuchen als meinen Genoſſen. Denn, Lenore, du wirſt mir nicht nur ein geliebtes Weib ſein, auch ein muthiger Freund, der Ver⸗ traute meiner Thaten, mein treueſter Kamerad.

Lenore ſchüttelte den⸗Kopf, aber ſie hielt ihn feſt um⸗ klammert.Ich ſoll deine Hausfrau werden, klagte ſte. Fink ſtrich ihr liebkoſend über das Haar und küßte die glü⸗ hende Stirn.Gieb dich zufrieden, mein Herz, ſagte er zärtlich,und finde dich drein. Wir haben mit einander in einem Feuer geſeſſen, das ſtark genug war, um ein großes Gefühl zur Reife zu bringen. Und wir kennen Eines das Andere. Unter uns geſagt, wir werden manchmal einen Wirbelwind in unſerm Hauſe haben. Ich bin kein bequemer Geſell, am wenigſten für ein Weib, und du wirſt deinen eigenen Willen, deſſen Verluſt du jetzt beklagſt, recht gemüth⸗ lich wiederfinden. Sei ruhig, Liebchen, du wirſt wieder ein Trotzkopf werden, wie du geweſen biſt, du brauchſt dich deß⸗ halb gar nicht zu grämen. Alſo auf einige Stürme mache dich gefaßt, aber auch auf herzliche Liebe und auf ein fröh⸗ liches Leben. Du ſollſt mir wieder lachen, Lenore. Meine 21*