Teil eines Werkes 
3. Bd. (1855)
Entstehung
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mir wahr, und ich vergeſſe, was ich ſelbſt anders gedacht; was Sie von mir fordern, das muß ich thun, widerſtands⸗ los, wie eine Sklavin. Die Frau, welche neben Ihnen durch das Leben geht, ſoll Ihnen ebenbürtig ſein an Geiſt und Kraft, und ſicher ſoll ſie ſich fühlen in dem eigenen Kreiſe. Ich bin ein ungebildetes, hilfloſes Mädchen. In thörichter Leidenſchaft habe ich Ihnen verrathen, daß ich um Ihretwillen wagen kann, was ein Weib nie wagen ſollte. Sie finden in mir nichts, was Sie ehren können. Sie wer⸗ den mich küſſen und werden mich ertragen. Lenorens Hand ballte ſich und ihre Augen flammten. So ſtand ſie vor ihm und ihre Geſtalt erbebte in dem Kampf von Stolz und Liebe.

Reut Sie ſo ſehr, daß Sie für mich eine Kugel in die Schulter des Mordgeſellen ſandten? frug Fink finſter. Was ich ſehe, ſieht nicht aus wie Liebe, eher wie Haß.

Ich Sie haſſen! rief das Mädchen und ſchlug die Hände vor das Geſicht.

Er nahm ihr die Hände vom Antlitz, zog ſie an ſich und

drückte einen Kuß auf ihre Lippen.Vertraue mir, Lenore. Laß mich, laß mich, rief Lenore ſich ſträubend, aber ihr Mund hing wieder heiß an dem ſeinen, ſie umſchlang ihn feſt und zu ihm aufſehend mit einem leidenſchaftlichen Ausdruck von Liebe und Furcht, glitt ſie zu ſeinen Füßen nieder. Erſchüttert. zugte ſich Fink herab und hob ſie auf. Mein biſt du, und ich halte dich feſt, rief er.Mit Büchſe und Blei habe ich dich erbeutet, du ſtürmiſches Herz!

In einem Athem ſagſt du mir Liebevolles und Hartes.

Alle Wetter, bin ich denn ein ſ ſolcher Sklavenvogt, daß ein