Teil eines Werkes 
3. Bd. (1855)
Entstehung
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Abend geht ein Bote zum Paſtor nach Neudorf. Mit ſchnellen Schritten ging er nach dem Schloß.

Lenore ſaß in ihrem Zimmer, um ſie herum lag zer⸗ ſchnittene Leinwand, ſte nähte. Emſig ſtach ſie mit der Nadel in den harten Stoff, legte zuweilen die Naht auf das Knie, glättete mit dem Fingerhut und betrachtete dann mißtrauiſch die einzelnen Stiche, ob ſie auch klein und regelmäßig waren. Da klang auf dem Corridor der ſchnelle Schritt, ſie ſprang auf, und krampfhaft preßte ihre Hand die Leinwand zuſam⸗ men. Aber ſie faßte ſich mit kräftigem Entſchluß und ſetzte ſich wieder zu ihrer Arbeit. Es klopfte an ihre Thür. Ein tiefes Roth ſtieg ihr langſam über Hals und Wange, und ihr Herein! gelangte kaum bis an das Ohr des Gaſtes. Der eintretende Fink ſah ſich neugierig in dem ſchmuckloſen Raume um; an der Wand einige Kreidezeichnungen Lenorens, ſonſt nur der unentbehrlichſte Hausrath. Das kleine Sopha aus Pantherfellen ſtand nicht mehr darin.

Als Fink ſich vor Lenore verneigte, frug ſie in gleichgil⸗ tigem Ton:Hat etwas Unangenehmes Sie aufgehalten? Wir Alle machten uns Sorge.

Ein Gut, das ich gekauft habe, verzögerte die Rückkehr. Jetzt komme ich in Eile, mich bei meiner Herrin zu melden; zugleich bringe ich Ihnen ein Packet, welches Anton für die Frau Baronin geſandt hat. Wenn das Befinden der gnä⸗ digen Frau mir erlaubt, ſie zu begrü äßen, wünſche ich ihr meine Aufwartung zu machen.

Lenore nahm den Brief:Ich gehe ſogleich zur Mutter, Lerzeihen Sie! Mit einer Verbengmn 8 fuchte f ſie bei ihn

vorbeizukommen. 8