— 316—
Herr ſeinen Namen rief und ihn unter ſeine eigene Garde verſetzte.“
„Ich aber mußte zurückbleiben,“ ſagte der Freiherr.
„Und mich freut's, daß ich unſern jungen Herrn noch gefehen habe,“ fuhr Sturm mit großer Beredſamkeit fort, „denn wie Sie wiſſen, war er damals unſer junger Herr. Sie vertrauten meinem Karl die ganze Wirthſchaft an, und ſo war es für mich eine Ehre, auch Ihrem Herrn Sohn ein Vertrauen zu zeigen.“
„Es war unrecht, daß er zu Ihnen kam Geld zu bor⸗ gen,“ ſagte der Freiherr kopfſchüttelnd. Und er ſagte ſo, weil er die troſtvolle Antwort Sturms ſchon oft gehört hatte und ſie wieder hören wollte.
Der Rieſe legte ſein Schnitzeiſen weg, fuhr ſich in die Haare und bemühte ſich, recht unternehmend auszuſehen, als er in leichtſinnigem Tone begann:„Wiſſen Sie was, man muß mit einem jungen Herrn auch Nachſicht haben. Jugend will austoben. Es borgt ſich Mancher Geld in jungen Jah⸗ ren, und vollends wenn einer einen ſo luſtigen Rock hat, mit Quaſten und Silber. Wir waren auch keine Geizhälſe, Herr Baron,“ fuhr er bittend fort und klopfte mit ſeinem Eiſen leiſe an die Knie des Blinden.—„Und der Herr Offizier war ſehr artig, und ich glaube, er war etwas verle⸗ gen. Und als ich ihm das Geld gab, ſah ich ihm an, wie leid es ihm that, daß er es brauchte. Ich gab's ihm um ſo lieber. Und als ich ihm in die Droſchke half und er ſich aus dem Wagen beugte, ich verſichere Ihnen, da war er
ganz bewegt, er griff mit beiden kleinen Händen heraus und
ſuchte meine Fauſt, um ſie noch einmal zu ſchütteln. Und


