— 315—
„Sie müſſen müde ſein, Sturm,“ ſagte der Freiherr.
„Ei,“ rief der Rieſe,„mit den Händen geht es noch wie ſonſt. Das hier wird eine kleine Tonne für das Regenwaſſer, es iſt bloße Kinderarbeit.“
„Auch er hat einmal in einer kleinen Tonne geſteckt,“ ſagte der Freiherr vor ſich hin.„Er war ein ſchwaches Kind, die Amme hatte ihn zum Baden hineingeſetzt, und er hatte ſeinen Rücken darin gebogen und vorn die Knie angeſtemmt, ſo konnte er nicht mehr heraus. Ich mußte die Reifen der Tonne abſchlagen laſſen, um den Knaben aus ſeinem Ge⸗ fängniß zu erlöſen.“
Der Rieſe räuſperte ſich⸗„Waren es eiſerne Reifen?“ frug er theilnehmend.
„Es war mein Sohn,“ ſagte der Freiherr mit zuckendem Antlitz.
„Ja,“ ſagte Sturm leiſe,„er war ſtattlich, er war ein hübſcher Mann, es war eine Freude, zu hören, wenn ſein Säbel raſſelte, und zu ſehen, wie er ſeinen kleinen Bart drehte.“— Ach, er hatte daſſelbe dem blinden Vater ſchon oft geſagt, alle Tage mußte er es wiederholen, wenn der Freiherr ihm gegenüber ſaß!
„Es war des Himmels Wille,“ ſagte der Freiherr und faltete die Hände.
„So war es,“ wiederholte der alte Sturm,„unfer Herr⸗ gott wollte ihn zu ſich nehmen, grade als er bei ſeiner beſten Arbeit war. Das war ehrenvoll für ihn, und kein Menſch kann ſchöner die Erde verlaſſen. Für ſein Vaterland und für ſeine Eltern zog er in ſeinem Schnurrock aus, und er war ſiegreich und jagte die Polacken in die Felder, als der


