Teil eines Werkes 
3. Bd. (1855)
Entstehung
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Am Tage nach dem Termin ſchrieb Anton der Baronin, er überſandte ihr die Schuldſcheine des Freiherrn und ſeine Vollmacht. Er ſtegelte den Brief mit dem frohen Gefühl, daß er aus all der Verwirrung für Lenore doch ein Erbtheil von ungefähr dreißigtauſend Thalern gerettet hatte.

Auf dem Dach des Staroſtenhauſes lag wieder der weiße Schnee, und die Krähen drückten die Spur ihrer Füße hin⸗ ein. Das glänzende Feſtkleid des Winters war über Flur und Wald ausgebreitet, in tiefem Schlaf lag die Erde, kein Schäferhund bellte auf den Feldern, das Ackergeräth ſtand unthätig in einem Schoppen des Hofes. Und doch war auf dem Gut ein heimliches Leben ſichtbar, und über den weiten Hofraum eilten geſchäftige Arbeiter mit Zollſtab und Säge. Der Boden in dem Wirthſchaftshof war uneben, denn der Grund für neue Gebäude war ausgegraben, und in den Stu⸗ ben, und ſogar draußen im Sonnenſchein arbeitete eine Schaar Handwerker aus der Stadt, Zimmerleute, Tiſchler und Stell⸗ macher. Luſtig pfiff der Geſell ſein Lied bei der Arbeit, und die gelben Späne flogen weit in den Hof hinein. Es war eine neue Kraft auf dem Gut ſichtbar, und ein neues Leben,

und wenn das Frühjahr kommt, wird eine Schaar Arbeiter ſich über den polniſchen Grund verbreiten und den ausge⸗ ruhten Boden zwingen, emſiger Arbeit Früchte zu tragen.

In ſeiner warmen Stube ſaß Vater Sturm auf der Schnitzbank unter Tonnenreifen und Faßdauben, und ſein Eiſen arbeitete mächtig in das Eichenholz hinein. Und ihm gegenüber auf dem einzigen Polſterſtuhl der Stube lehnte der blinde Freiherr, den Krückſtock in der Hand, ſein Ohr auf den alten Sturm gerichtet.