Teil eines Werkes 
3. Bd. (1855)
Entstehung
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kein Hochzeitsfeſt feiern mit deinem vielverſprechenden Bräu⸗ tigam; du wirſt in den nächſten Tagen mit geſenktem Haupt über die Straßen eilen, und wo du vorübergehſt, werden die Leute einander anſtoßen und flüſtern:Das iſt ſeine Braut. Und wenn die Zeit kommt, wo die Hoffnung der Mutter dich in der Reſidenz ſah, in luſtigen Flitterwochen, da wirſt du in einer fremden Stadt ſttzen, wohin du fliehſt, um dem Spott der Boshaften zu entrinnen. Du gehſt nicht im Schmerz unter, und deine Wange erbleicht nicht; du haſt ein glän⸗ zendes Ausſehen, und dein Vater hat viel Geld zuſammen⸗ geſcharrt; du findeſt mehr als Einen, der bereit iſt, der Nachfolger von Itzig zu werden. Dein Loos iſt, Einem heim⸗ zufallen, der dein Capital heirathet und deine Glieder mit vergnügtem Lachen in Kauf nimmt, und du wirſt ihn vom erſten Tage deiner Ehe an verachten, und wirſt ihn ertragen, wie man einen Schaden trägt, den der Arzt nicht wegſchaffen kann. Neue Gewänder von glänzender Seide wirſt du tra⸗ gen, und ein anderer Goldſchmuck wird an deinem Arm klir⸗ ren, und der Inhalt deines Lebens wird ſein, als geſchmückte Puppe umher zu wandeln und deinen Mann höhniſch mit andern Männern zu vergleichen. Das Geld aber, welches der alte Ehrenthal durch Wucher und Schlauheit mit tau⸗ ſend Sorgen für ſeine Kinder zuſammengebracht hat, das wird wieder rollen aus einer Hand in die andere, es wird dienen den Guten und Böſen, und wird dahinfließen in den mächtigen Strom der Capitalien, deſſen Bewegung das Men⸗ ſchenleben erhält und verſchönert, das Volk und den Staat groß macht und den Einzelnen ſtark oder elend, je nh ſel⸗ nem Thun.