einen bunten Rock, jetzt, wo der Herr zuͤrnt auf die Ges meinde?“— Er begann ein Gebet zu murmeln und ſank wieder in ſich zuſammen.
Roſalie erhob ſich unwillig; die Mutter ſagte in großer Verlegenheit:„Es iſt heut ärger mit ihm, als es jemals geweſen iſt. Ich habe gewollt, daß der Vater gegenwär⸗ tig ſein ſollte beim Ehrentage der Tochter, aber ich ſehe, daß er die Pflichten des Hausherrn nicht erfüllen kann. So werde ich als Mutter der Geſellſchaft eine frohe Mitthei⸗ lung machen.“ Sie faßte feierlich die Hand ihrer Toch⸗ ter:„Treten Sie näher, Itzig.“
Itzig hatte bis dahin ſtumm unter den Andern geſtanden und auf den Alten geſtarrt. Er hatte zuweilen mit den Achſeln gezuckt und mit dem Kopfe geſchüttelt über den Un⸗ ſinn des Kranken, weil er fühlte, daß das bei ſeiner Stel⸗ lung in der Familie ſchicklich war. Aber vor ſeinem Auge ſchwebte eine andere Geſtalt, er wußte beſſer als die Andern, wer jammerte und ſtöhnte, er wußte auch, wer geſtorben war und nicht verziehen hatte. So trat er mechaniſch neben die Frau vom Hauſe, den Blick ſtier auf den Alten gerichtet. Die Gäſte umringten im Kreiſe ihn und Roſalie, die Mut⸗ ter ergriff ſeine Hand.
Da fing der Alte in ſeinem Lehnſtuhl wieder an zu ſchwatzen.„Seid ſtill,“ ſagte er vernehmlich,„dort ſteht er, der Unſichtbare. Wir gehen heim vom Begräbniß, und er tanzt unter den Weibern. Wen er anſteht, dem ſchlägt er die Glieder. Dort ſteht er,“ ſchrie er laut und erhob ſich aus ſeinem Stuhl.„Dort— dort.— Stuͤrzt Eure Waſſerbecken um und flieht in die Hauſer.—
III. 20
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