Teil eines Werkes 
3. Bd. (1855)
Entstehung
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Roſalie ſieht bezaubernd aus und:ob der Ehrenthal kommen wird? und:dieſer lange Nebel iſt ungewöhnlich, er iſt ungeſund, man muß Jacken von Flanell tragen, bis aus einem Munde die Worte kamen:Vier ein halbprocen⸗ tige. Da hörten die Fragen auf, es war ein Geſpräch gefunden. Itzig war einer der Lauteſten, er geſticulirte nach allen Seiten. Man redete von den Curſen, von der Wolle und von dem Unglück eines Geſchäftsmannes, der in Papieren ſo viel gemacht hatte, daß er gefallen war. Die Frauen waren vergeſſen, und an ſolche Iſolirung gewöhnt, hielten ſte feierlich die Theetaſſen in der Hand, ſtrichen die Falten an ihren Gewändern zurecht und bewegten anmuthig Hals und Arm, daß ihre Ketten und Armbänder im Kerzenlicht blitzten.

Da ward die Unterhaltung durch ein Geräuſch unter⸗ brochen, eine Thür ging auf, allgemeine Stille entſtand, ein ſchwerer Armſtuhl wurde in das Zimmer gerollt. 4

Auf dieſem Armſtuhl ſaß ein alter Mann mit weißem Haar, ein dickes aufgedunſenes Geſicht, zwei glotzende Augen, welche vor ſich hinſtarrten, der Leib gekrümmt, die Arme ſchlaff über die Lehne herabhängend. Das war Hirſch Ehrenthal,

ein blödſinniger Greis. Als der Stuhl in die Mitte der

Verſammlung niedergeſetzt war, ſah er ſich langſam um, nickte mit dem Kopf und wiederholte die eingelernten Worte: Guten Abend, guten Abend. Seine Frau beugte ſich zu ihm herab und rief mit lauter Stimme in ſein Ohr:Kennſt du die Herrſchaften, welche hier ſind? Es iſt die Verwandt⸗ ſcha t.

Ich weiß, nickte die Geſtalt,es iſt eine Soirée.