— 300—
„Schweigt jetzt mit Eurem Schacher,“ erwiederte An⸗ ton ſtreng.
„Was ſoll ich ſchweigen,“ rief Tinkeles entrüſtet,„ich ſtehe aus eine große Angſt, ſoll das ſein um gar nichts?“ Und wieder verſank er in ſeinen Schmerz. 1
Die Unterhaltung wurde durch die Ankunft des Beamten unterbrochen. Der gewandte Mann ließ den Händler noch einmal ſeinen Bericht wiederholen, nahm die Brille, beſtellte einen Wagen für ſich und den widerſtrebenden Tinkeles und ſagte beim Abſchiede zu Anton:„Machen Sie ſich gefaßt auf eine ſchnelle Entwickelung; ob ich meinen Willen durchſetze, iſt noch zweifelhaft; für Sie iſt aber jetzt einige Ausſicht da, die Documente, welche Sie ſuchen, aufzufinden.“
„Um welchen Preis!“ rief Anton ſchaudernd.
Die Zimmer im Hauſe Ehrenthals waren hell erleuchtet, durch die herabgelaſſenen Vorhänge fiel ein trüber Schimmer in den Sprühregen, der aus der dicken Nebelluft auf die Straße ſank. Mehrere Räume waren geöffnet, ſchwere ſil⸗ berne Leuchter ſtanden umher, glänzende Theekannen, bunte Porcellanſchaalen, alles Schaugeräth war gebürſtet, gewa⸗ ſchen und aufgeſtellt, der dunkle Fußboden war neu gebohnt, ſogar die Küchenfrau trug eine neu geplättete Haube; das ganze Haus hatte ſich gewaſchen und gereinigt. Die ſchöne Roſalie ſtand mitten unter dieſer Herrlichkeit in einem Kleid von gelber Seide mit purpurrothen Blüthen geſchmückt, ſchön wie eine Houri des Paradieſes, und bereit wie dieſe, den Auserwählten zu empfangen. Die Mutter ſtrich ihr die Falten
des ſchweren Stoffes zurecht, ſah triumphirend auf ihr Werk
und ſagte in einer Anwandlung von mütterlichem Gefühl:


