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der Mittagstafel erſchienen zuweilen ausgezeichnete Verſuche von neuen Speiſen. Die Tante kam an ſolchen Tagen mit gerötheten Wangen aus der Küche und war ſehr empfindlich, wenn nicht Jedermann das neue Gericht vortrefflich fand, obgleich ſie nie verfehlte, hinzuzuſetzen:„Es iſt nur ein vor⸗ läufiger Verſuch der Köchin.“ Und dabei ſah ſie ihren Neffen und Sabine mit einem triumphirenden Ausdruck von Ueberlegenheit an, welcher deutlich ſagte:„Ich habe Alles errathen,“ ſo daß der Kaufmann die Brauen zuſammenziehen und der Tante einen ſtrengen Blick zuwerfen mußte.
Aber der Kaufmann ſelbſt ſah in der Regel nicht ſtrenge aus. Sabine und Anton wurden mit jedem Tag ſtiller und verſchloſſener, er wurde zuſehends heiterer. Er war jetzt ge⸗ ſprächiger als ſeit Jahren und wurde nicht müde, bei Tiſche Anton in die Unterhaltung zu ziehen. Er zwang ihn, 3 erzählen, und hörte mit Spannung auf jedes Wort, das von Antons Lippen kam. In den erſten Wochen ſah er oft
prüfend auf Antons Pult, nach kurzer Zeit that er auch im
Geſchäft, als wäre ſein Verhältniß zu Anton noch das alte. Mit munterm Schritt ging er durch die vordern Comtoire. Noch war im Geſchäft viel Flauheit, ihn kümmerte das wenig. Wenn Herr Braun, der Agent, ſein belaſtetes Herz ausſchüttete, lachte er dazu und ließ einen kurzen Scherz fallen.
Anton gewahrte dieſe Veränderung nicht. Wenn er im
Comtoir arbeitete, ſaß er einſtlbig Herrn Baumann ge⸗ genüber und mühte ſich, an nichts zu denken, als an die
Briefe. Die Abende brachte er häufig allein auf ſeinem Zimmer zu, dann ſenkte er ſein Haupt in die Bücher, welche . 18†


