Teil eines Werkes 
3. Bd. (1855)
Entstehung
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Tante horchte. Zuerſt ſprach der Neffe, dann Sabine, aber ganz leiſe, dann hörte die Tante ein Gemurmel, welches große Aehnlichkeit mit unterdrücktem Schluchzen hatte.„Was dieſes Mädchen weinerlich wird,“ dachte ſte verwundert. Sie war gerade im Begriff, in das Zimmer einzudringen, als die Geſchwiſter ihr entgegentraten. Sabine hing im Arm des Bruders, ihre Wangen und ihre Augen waren ſtark geröthet, und doch ſah ſte glücklich und ſehr verſchämt aus. Als die Tante nach einer längern Pauſe, wie ſie der Anſtand nöthig machte, in das Nebenzimmer ging, um etwas zu ſuchen, fand ſte das große Packet auf einem Stuhl liegen. Sie ſtieß zu⸗ fällig mit der Hand daran, und da das Papier nicht zuge⸗ bunden war, ging es natürlich auseinander, und ſie erblickte prachtvolle Möbelſtoffe, und unten noch eine andere Erfin⸗ dung, die ſo heftig auf ihre Nerven wirkte, daß auch ſie ſich hinſetzen und auf der Stelle einige Thränen vergießen mußte. Es war die weiße Robe vom ſchwerſten Stoff, welche das Weib nur einmal in ihrem Leben, an einem feierlichen Tag voll Andacht und frohen Schauers zu tragen pflegt. 3. Fortan behandelte die Tante ihre Umgebung mit der Sicherheit einer Hausfrau, welche Andern verzeiht, wenn ſie ſich eine Weile närriſch gebehrden, weil ſte recht gut weiß, daß das letzte Ende von ſolchem künſtlichen Weſen eine ſtarke Bewegung in ihrem eigenen Gebiete ſein wird, heftige Arbeit in der Küche, ein langer Speiſezettel, großartiges Schlachten von Geflügel und ein vernichtender Angriff auf alle Ge⸗ fäße mit eingemachten Früchten. Auch ſte wurde geheimnißvoll. Alle Tönnchen und Töpfe mit Conſitüren wurden plötzlich einer außerordentlichen Reviſion unterworfen, und bei